Share Economy: Die andere postindustrielle Revolution? (Video)

Anbieten, Teilen und Tauschen. Wird Share Economy je zu einem profitablen Geschäftsmodell oder muss die Wirtschaftsform neu erfunden werden, damit sie funktioniert? (Foto: Kucharek)

Im gestrigen Beitrag wurde die Bedeutung des 3D-Druckers als postindustrielle Revolution angeführt. Es gibt darüber hinaus noch weitere spannende Entwicklungen, die seit Jahren beobachtet werden können, von denen aber man nicht sagen kann, welche Bedeutung sie tatsächlich haben werden. Dazu gehört ganz prominent “Share Economy”.

Share Economy als Gegenbewegung zur Überflussgesellschaft

Es steht außer Frage: die modernen westlichen Industrienationen sind Überfluss- und Wegwerfgesellschaften. Wir schmeißen viel zu viel Lebensmittel weg. Viel zu viel Elektroschrott landet auf den Müllhalden Afrikas. Heute ist es günstiger ein neues Fernsehen zu kaufen als ein kaputtes Gerät zu reparieren. Wir kaufen viel zu viele Klamotten, die wir viel zu selten anziehen, weil die Waren so günstig sind, dass ein abwechslungsreicher aber kurzlebiger Konsum sich für die Menschen in unserer Weltregion lohnt.

Share Economy ist vielleicht eine zeitgemäße Gegenbewegung in den westlichen Gesellschaften. Darunter wird gemeinhin eine Organisations- und Kollaborationsform verstanden, in der eine möglichst große Zahl von Menschen Konsumgüter teilen, dafür aber sie nicht neu kaufen oder mieten müssen. Jedes Mitglied stellt dabei eine Ware zur Verfügung, die durch andere genutzt werden kann. Dabei spielt das Internet als Informations-, Kommunikations- und Tauschplattform eine zentrale Rolle.

Green Economy ein Vorbild für Share Economy?

Damals in den 1970er Jahren, als die Grünen noch eine soziale Bewegung waren, wurde Umweltschutz ein gesellschaftspolitischer Wert. Mit ihm sind über die Jahrzehnte nicht nur politische Forderungen nach Nachhaltigkeit entstanden. Daraus haben sich auch lukrative Geschäftskonzepte entwickelt, die heute weltweit hart umkämpfte Märkte bilden. Sie haben sogar eine weitreichende geopolitische Relevanz angenommen, wenn man die aktuelle Krimkrise zwischen Europa und Russland oder das jüngste Abkommen des Iran mit den Atommächten vor Augen führt. Die Vision aus den 1970er Jahren wurde inzwischen aktualisiert: Die Weltgesellschaft muss sich zu einer postfossilen Gesellschaft umbauen, so zumindest die Experten.

Verglichen mit der Entwicklung seit den 1970er Jahren, befindet sich die Share Economy noch ganz am Anfang. Zurzeit sind nur zwei Bedingungen erfüllt: Share Economy als Idee verbreitet sich. Und diese Idee könnte funktionieren. Zumindest sind dank der mobilen Informationstechnologien und des mobilen Internets diese Möglichkeit vorhanden. Sie scheint trotzdem nicht zu funktionieren.

3D-Drucker passt in die Industriegesellschaft – aber Share Economy?

Viele Start Ups aus USA und Deutschland haben den Versuch unternommen, Share Economy zu einem profitablen Geschäftsmodell zu entwickeln. Entweder sind sie gescheitert oder die Umsätze sind so niedrig, dass sich das Geschäftsmodell sich nicht selbst finanziert. Stellt sich also die Frage: Kann Share Economy zu einem Geschäftsmodell entwickelt werden, das in einer Marktwirtschaft wie wir sie kennen, funktionieren kann? Oder müssen wir eine neue Wirtschaftsform finden, damit Share Economy gelingen kann?

Der 3D-Drucker als technisches Artefakt scheint sehr gut in die industrie- und konsumgeprägte Gesellschaft zu passen. Aber wie sieht es mit Share Economy aus?

Über Kamuran Sezer 67 Artikel
Kamuran Sezer, Jg. 1978 und Diplom-Sozialwissenschaftler, ist seit 2006 als Trend- und Zukunftsforscher tätig. Mit seinem futureorg Institut berät und forscht er zum Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Weitere Informationen finden Sie unter www.kamuran-sezer.com

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  1. forgsight.com – Studie: Hat Share Economy eine Zukunft?

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