Phubbing: Gehweg für Handystarrer in China

Geben Sie schon zu, Sie gehören auch zu den Leuten: Sie sitzen in der Bahn, und um die Minuten bis zum Ziel zu überbrücken, greifen Sie zu Ihrem Smartphone und surfen durch die Welt des mobilen Internets. Das ist noch harmlos.

Vielleicht hat es Ihnen in der Handfläche gejuckt, während der Rotphase einer Verkehrsampel schnell das Handy zu zücken, um einen flüchtigen Blick auf Ihr Facebook-Update zu schauen. Das bloße Rumsitzen kann schon das Gefühl verstärken, etwas auf der Welt zu verpassen.

Es passiert dann halt mal…

Sicher aber haben Sie während des Shoppings in die Hosentasche gegriffen, um den Smartphone raus zu holen, weil er sich mit einer Vibration bemerkbar gemacht hat. Eine Nachricht ist gekommen, die man natürlich liest, während man zum Ziel läuft.

Es passiert dann schon mal, dass man seine Haltestelle verpasst hat, der Autofahrer mit seiner Hupe genervt auf die Ampel hinweist oder man ein Kleinkind angerempelt hat, weil es man auf der Einkaufsstraße nicht gesehen hat. Dieses Phänomen, auf das Handy starren und das soziale Umfeld ignorieren, nennt man neudeutsch: Phubbing – und die Menschen, die es praktizieren eben Phubber.

Gehweg für Phubber: Gag oder Kampagne?

Nun wurde in der chinesischen Stadt Chongqing ein Gehweg extra für Phubber eröffnet. Auf Chinesisch und Englisch wird darauf hingewiesen, dass man den Gehweg auf eigene Gefahr nutzt. Was mit diesem Gehweg genau auf sich hat, ist unklar. Die Internetgemeinde spekuliert, ob es nun ein Marketinggag oder doch eine Sensibilisierungskampagne ist, weil die Unfälle mit Phubbern zugenommen haben.

Die us-amerikanische Office of Compliance für Arbeitsplatzsicherheit hat eine Broschüre 2010 veröffentlicht, die über die Gefahren der Verwendung mobiler Endgeräte während des Gehens anschaulich und umfassend informiert. Doch Phubbing ist nicht nur eine Gefahr bei Spaziergängen und Autofahrten. Überhaupt sind mobile Endgeräte und die Dauer-Erreichbarkeit ein Stressfaktor.

Neue Medien als Stressfaktor

In der Informationsbroschüre des Kantons Zürich werden die Bürger motiviert, bewusster mit digitalen Medien umzugehen. Dort heißt es u.a.: “Neue Medien erleichtern und beschleunigen das Arbeiten und die Kommunikation im Beruflichen und Privaten und werden dadurch zu einem potenziellen Stressfaktor. Es wird nach einer neuen Kommunikationskultur gerufen”.

 

Über Kamuran Sezer 67 Artikel

Kamuran Sezer, Jg. 1978 und Diplom-Sozialwissenschaftler, ist seit 2006 als Trend- und Zukunftsforscher tätig. Mit seinem futureorg Institut berät und forscht er zum Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Weitere Informationen finden Sie unter www.kamuran-sezer.com

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