Über weite Strecken kommunizieren zu können ist Selbstverständlichkeit der Informationsgesellschaft. Dabei ist Reichweite und Präzision notwendig, wird erreicht durch teure Technologien. Doch das indigene Volk der Boras hat eine ganz eigene Lösung: Rhythmus.

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Zur Verständigung braucht es ein Medium. Sei es die Stimme mit einer begrenzten Reichweite oder das Smartphone, welches durch das Internet zum mobilen und globalen Kommunikationsmittel aufgestiegen ist. Dabei fällt auf, wie naheliegend eine Wandlung der Sprache zur erfolgreichen Übermittlung ist – schließlich rechnet der Chipcomputer unsere Buchstabeneingaben zu Energieimpulsen, Einsen und Nullen, um, ermöglicht so die Versendung dieser über das Netz.

Trommeln als Medium

Weniger technisch handhaben es die Boras im nordwestlichen Amazonasgebiet. Gerade deswegen ist ihre Vorgehensweise beim Wandeln der Sprache zur erfolgreichen Langstreckenkommunikation Gegenstand der Arbeit eines internationalen Forscherteams. Die Frage, wie eine ganze Sprache in Trommelschläge „übersetzt“ werden kann, führte zur Erkenntnis, dass der Sprachrhythmus bei der Sprachverarbeitung eine wichtigere Rolle spielt als bisher angenommen.

Durch variierende Zeiten bei den Schlagpausen werden vier verschiedene rhythmische Einheiten unterschieden, die jeweils bestimmten Vokalintervallen entsprechen und damit die Grundlage für eine Grammatik legen. Es ist also der Rhythmus, der die Kommunikation in ihrer Basis ermöglicht, und die Schallkraft der Trommel, die Reichweite mit sich bringt. Zuletzt ist da die Präzision, gesichert durch die nahezu unfehlbare rhythmische Übertragung der Vokale, welche das Zusammensetzen der Worte nicht von einzelnen Schlägen und ihren Klängen abhängig macht

Die Boras sind kein Einzelfall

Auch andere Ethnien und Kulturen haben auf natürlichem Wege die zivilisatorische Grundlage der Langstrecken-Kommunikation geschaffen. So auch die Türken mit der Pfeifsprache, die fast nur noch in Kusköy, nahe der Schwarzmeerküste, gesprochen wird. Bereits vor 500 Jahren haben Almhirten diese Sprache zur Verständigung zwischen den versprengten Weilern genutzt, damit auch das Flusstal überbrückt. Ein Umstand, der in Kusköy noch immer alltäglich ist, da die Vogelsprache von Nachteilen wie Empfangsproblemen oder leerem Akku unberührt bleibt.

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Modern heißt also nicht gleich besser. Denn viele Wege führen nach Rom – dessen Vermächtnis ist das beste Beispiel: Nie wieder haben Menschen es geschafft derart verschleißfreie und robuste Straßen zu bauen. Genauso lässt sich die Erkenntnis umkehren, auf eine moderne Sage übertragen: Angeblich haben die USA immense Summen für die Entwicklung eines in der Schwerelosigkeit funktionalen Kugelschreibers aufgewandt, während die Russen schlicht auf Bleistifte zurück griffen haben sollen. Eine Geschichte, die so nicht ganz richtig ist, dennoch klar aufzeigt: Manchmal ist weniger mehr – teurer nicht immer besser. (mpg/dlf/forgsight)

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