Nahrungsmittel: Werden wir hungern?

Foto: Volkshilfe Suppenküche

Steigender Meeresspiegel, ausgedehnte Wüsten und Steppen durch den Klimawandel verkleinern die Anbauflächen weltweit. Reicht unsere Agrarfläche aus, um in der nahen Zukunft neun Milliarden Menschen zu ernähren?

Je nach Modellrechnung gehen Bevölkerungswissenschaftler davon aus, dass im Jahr 2050 rund neun Milliarden Menschen den Planeten bewohnen werden. Damit sind eine ganze Reihe von Herausforderungen verbunden. Eine davon ist die Ernährung. Mit Blick auf das absehbare Bevölkerungswachstum stellt sich die Frage: Werden wir in der Zukunft genug zum Essen haben?

Wachstumsgetriebene Boomwirtschaft durch Landwirtschaft?

Neben der Bevölkerungsentwicklung konkurriert das Hungergefühl der Menschen mit dem wachsenden Energiebedarf. Ein wachsender Anteil der Anbaufläche wird für Agrarprodukte verwendet, die für die Energieproduktion eingesetzt wird. Außerdem ändern sich auch die Essgewohnheiten und das Konsumverhalten von Menschen vor allem in den Schwellenländern, in denen der Wohlstand stetig wächst. Sie entwickeln sich also dorthin, wo die meisten Industrieländer vor Jahrzehnten angekommen sind: zu einer Wegwerfgesellschaft mit hohem Fleischverbrauch pro Kopf.

Um diesen wachsenden Bedarf decken zu können, muss die Landwirtschaft bis 2050 weltweit um 1,8 Prozent jährlich wachsen. Auf dem ersten Blick könnte man daher meinen, dass die Landwirtschaft zu einer wachstumsgetriebenen Boomwirtschaft durch massive Produktionssteigerung wird. Die Experten sind sich allerdings uneinig, wie das Problem der sinkenden Nahrungsverfügbarkeit tatsächlich gelöst werden kann. Denn die bloße Produktionssteigerung stößt schon rechnerisch an ihre Grenzen.

Der aktuelle Bericht des Club of Rome “2052” von Joergen Randers zeigt auf, dass sich in den Jahren zwischen 1970 bis 2010 die Nahrungsmittelproduktion verdoppelt hat. Jedoch wurde dieser Anstieg nicht durch die Erschließung neuer landwirtschaftlicher Flächen möglich. Der Einsatz von Kapital und neuer Technik, von Kunstdünger und Pestiziden haben wesentlich zur gestiegenen Produktion beigetragen.

Nutzung städtischer Flächen ein erster Schritt

Der Bericht geht davon aus, dass die Nahrungsmittelproduktion weiter ansteigen wird. Allerdings werden landwirtschaftliche Flächen weiter schrumpfen. Der Anstieg des Meeresspiegels und die Ausdehnung von Wüsten und Steppen durch den Klimawandel sowie die weitere Urbanisierung sind wesentliche Treiber dieser Entwicklung. Obgleich es in der Zukunft weiterhin genug Lebensmittel geben wird, prognostiziert der Club of Rome, dass es zu sozialen Verwerfungen lange vor dem ökologischen Zusammenbruch kommen könnte.

Was kann man also tun? Wesentlich ist die Erhöhung der Flächenproduktivität und die Nutzung von städtischen Flächen. Dieser notwendige Schritt kann durch die konventionelle Landwirtschaft erreicht werden, in dem Gentechnik, Kunstdünger und Pestiziden eingesetzt werden. Ebenso wichtig sind ökologische Anbaumethoden und die Anpassung kleinbäuerlicher Wirtschaftsformen.

Auf Fleisch verzichten

Eine gute Ernährung weltweit für alle ist vor allem möglich, wenn weniger Fleisch pro Kopf verzehrt wird. Gute Gründe liefern hier des Weiteren die Gesundheit und der Tierschutz. Durch den Verzicht auf rotes Fleisch sowie einem sinkenden Pro-Kopf-Fleischkonsum (in den Industrieländern), aber auch durch einen Wechsel auf Geflügel, Schwein und Fisch aus Aquakulturen mit Getreidefütterung können trotz schrumpfender landwirtschaftlicher Nutzfläche mehr Menschen ernährt werden.

Lokal statt global ist daher Teil einer großen Umstellung, die vor allen in den Menschen stattfinden muss. Muss es wirklich ein Fisch aus dem Discounter Angebot sein, der im Mekong mit Antibiotika vollgestopft und bis nach Deutschland transportiert wurde? Muss es täglich Rindfleisch sein, das pro Kilo einen CO2-Ausstoß von 13,3 kg hat.

Über Team Eduard Pestel-Institut 21 Artikel
Ausgangspunkt der Gründung des Pestel Instituts waren die beiden ersten Berichte an den Club of Rome: "Grenzen des Wachstums" und "Menschheit am Wendepunkt". Heute sind wir als Forschungsinstitut und Dienstleister weiterhin der Tradition des wachstumskritischen Ansatzes aus dieser frühen Zeit des Instituts verpflichtet. In jüngster Zeit rücken dabei verstärkt Aspekte der Widerstandsfähigkeit oder Krisenfestigkeit von Systemen gegenüber Störungen (Resilienz) in den Vordergrund der Betrachtung. Mehr Wissen über www.pestel-institut.de
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