Dortmund bietet jede Menge Standort-Vorteile: die Stadt im Ruhrgebiet liegt geografisch zentral, bietet als Uni-Stadt einen breiten Fachkräftepool und ist innovativen Startup-Szenen des Landes sehr nahe. Ein Logistik-Beratungsunternehmen zeigt, wie es diese Vorteile für sich und für seine Kunden nutzt. Ein Gespräch mit dem Logistik-Experten Guido Lehrke.

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Gleich zu Anfang drängt sich die Frage auf, warum ein Logistik-Beratungsunternehmen gerade Dortmund als Standort ausgewählt hat?

Das hat mehrere Gründe, aber hat auf dem ersten Blick viel mit unserer Unternehmensgeschichte zu tun: drei von vier Unternehmensgründern sind selbst Dortmunder. Letztlich sind wir aber aus anderen Gründen in Dortmund geblieben. Hier liegen wir recht zentral. Das ist für einen Logistiker und für ein Logistik-Beratungsunternehmen, wie wir eines sind, immer gut. Darüber hinaus haben wir hier die Möglichkeit, gutes Personal für integral logistics GmbH zu gewinnen.

Also bietet Dortmund in Sachen Fachkräfte-Rekrutierung einen Standort-Vorteil?

Die Logistik-Ausbildung an der Dortmunder Universität ist sehr gut und vermittelt viel Fachwissen. Trotzdem benötigen neue Mitarbeiter ein halbes bis eineinhalb Jahre bis sie auf dem Kurs sind, den zuallerst unsere Kunden voraussetzen und wir als Arbeitgeber wünschen. Deswegen investieren wir viel in die Förderung und in die weitere Ausbildung unserer Mitarbeiter, die wir selbst in die Hand nehmen.

Vorbildlich, aber auch eher untypisch, möchte man meinen. Woher kam der Anstoß, die Ausbildung der Mitarbeiter, im Betrieb fortzusetzen?

Der Impuls war die Weltwirtschaftskrise. Danach ist unser Unternehmen in dieser Zeit extrem gewachsen. Wir konnten kaum geeignete Fachleute für unsere Projekte finden. Dieser Umstand führte zu zwei Konsequenzen: zum einen haben wir – wie bereits ausgeführt – die Ausbildung unserer Mitarbeiter in die eigene Hand genommen, zum anderen mussten wir unsere Rekrutierungsstrategie überdenken. Wir haben schmerzlich eingesehen, dass unser Unternehmen zwar geografisch zentral liegt, aber das Einzugsgebiet alleine nicht ausreicht, um genügend Fachkräfte anzusprechen. Für uns ergab sich daraus die Schlussfolgerung, andere Regionen in Betracht genauer zu betrachten.

Jetzt haben Sie Januar 2017 ein Büro in Berlin eröffnet. War dies Ihre Schlussfolgerung?

Ja, richtig! Wir haben uns aber aus mehreren Gründen für Berlin entschieden. Gleich vorweg fanden wir einen passenden Mitarbeiter, der mit uns zusammenarbeiten wollte. Also gründeten wir dort sehr schnell ein neues Büro. Wir haben uns aber auch für Berlin entschieden, weil die Bahnverbindung zwischen Berlin und Dortmund optimal war. Der wohl wichtigste Grund für unsere Entscheidung war allerdings die lebendige Berliner Startup-Szene.

Können Sie näher begründen, warum die Startup-Szene ein wichtiger Aspekt in der Entscheidung war?

Auch hier haben einige Gründe eine Rolle gespielt. Mit Berlin konnten wir unser Rekrutierungspool in Dortmund und Ruhrgebiet spürbar erweitern. Unser Berliner Büro ist ein Heimathafen für die vielen Talente dort. So konnten wir in ihrer gewohnten Umgebung einen Arbeitsplatz schaffen.

Okay, mit Berlin haben Sie das Einzugsgebiet für Ihre Rekrutierung erweitern können. Was waren die anderen Gründe?

Recht einfach: Wir wollten als Unternehmen lernen, im Team miteinander digital zu arbeiten. Bei einem zentralen Standort geht man ins Büro des Kollegen rüber, der bei einem Anliegen helfen kann. Ist er nicht anwesend, schreibt man einen Zettel, damit er sich zurückmelden kann. Bei einem Büro, das in einer anderen Stadt liegt, funktioniert das nicht. In unseren Meetingraum steht beispielsweise ein Fernseher, weil unser Kollege in Berlin über Webkonferenz zum Treffen geschaltet wird. 

Hatte das Thema Digitalisierung keinen Einfluss auf Ihre Standort-Wahl?

Sehr sogar! Als Beratungsunternehmen sind wir dauernd gefordert, bei Themen ganz vorne dabei zu sein. Dies gilt in erster Linie für mich selbst. Ich werde immer unruhig, wenn ich das Gefühl habe, wir kommen nicht weiter. Für mich ist Rückschritt oder Stillstand schlecht. Daher muss ich immer auf dem neuesten Stand sein.

Können Sie uns einen Trend nennen, der die Logistik beschäftigt?

Das Themenfeld „E-Commerce“ ist für die Logistik enorm wichtig. Genau genommen ist er ein starker Treiber geworden. In Berlin sind eine Vielzahl an Startups angesiedelt, die ihren Schwerpunkt in der Logistik haben. Wenn ich das Themenfeld “Logistik im E-Commerce” durch das „Startup-Ökosystem“ lerne, dann bringt das unsere Kunden weiter und auch unser eigenes Unternehmen. Denn ich werde auf diese Weise angetrieben, schnell auf Trends zu reagieren.

Wie profitieren Ihre Kunden genau?

Aus unserer Referenzliste kann man entnehmen, dass wir mit zahlreichen etablierten Handelsunternehmen zusammenarbeiten. Auch die werden in diese Entwicklung hineingezogen, und auch sie müssen sich überlegen, wie sie bei dieser Zukunftsaufgabe mitmischen können. Wir werden von unseren Kunden angetrieben. Und deren Kunden treiben wiederum unsere Kunden an. Genau dieser Umstand macht den Endverbraucher zu einem wesentlichen Treiber für die unterschiedlichen Trends in der Logistik.  

Credit: BVL Seminare

Guido Lehrke ist Geschäftsführer der integral logistics GmbH & Co. KG. Das Unternehmen hat Tradition: es wurde 1964 vom Pionier der Industrieplanung Uwe Kastl gegründet. Mehr Info: www.integral.de

Wie beispielsweise?

Logistik ist die drittgrößte Branche in Deutschland. Früher war Logistik die Branche, in der Paletten hin und her geschoben wurde. Heute ist Logistik mehr. Sie ist ein Erfolgsfaktor für Unternehmen. Amazon beispielsweise demonstriert diesen Gedanken auf erstaunliche Weise. Es ist ein logistisches Technologieunternehmen oder ein technologisches Logistikunternehmen mit Handelskompetenz – je nachdem wie man es darstellen will. Die setzen permanent Trends.

Mit diesen Trends setzt Amazon seine Konkurrenz unter Druck.

Mehr als das: Amazon erzieht den Kunden und verändert auf diese Weise seine Präferenzen, so dass es selber am besten bedienen kann.

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Sehr spannender Gedanke! Wie erzieht Amazon seine Kunden?

Ein Beispiel ist die “Same Day”-Lieferung. Wenn der Kunde kein „Same Day“-Lieferungen kennt, dann kommt er auch nicht auf die Idee, diesen Service haben zu wollen. Nun bietet Amazon diesen Lieferservice an, die der Kunde immer häufiger nutzt. Damit hat Amazon in der Einstellung des Kunden etwas ins Rollen gebracht, was Auswirkungen auf die anderen Handelsunternehmen hat. Nicht die Produkte an sich sondern solche Services können den Unterschied ausmachen. Denn die Produkte, die sie bei Amazon bekommen, bekommen sie auch von dessen Mitbewerbern. Logistik hat also großen Einfluss auf die Wahrnehmung von den Unternehmen hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit und Innovationsfähigkeit.

Herr Lehrke, das ist ein guter Abschluss. Ich danke für das Gespräch.

 

(Hinweis in eigener Sache: Es wird ein weiterer Artikel mit Herrn Lehrke erscheinen, in dem explizit “Trends in der Logistik” betrachtet werden. Hierfür suche ich nach weiteren Gesprächspartnern. Über eine Nachricht an ksezer@futureorg.de freue ich mich.)

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