Bio 3.0: Eine grüne Revolution – der zweite Versuch

 

Der Markt für Bioprodukte wächst, aber immer mehr Ökobauern wenden sich davon ab. 85% der Produkte kommen von Landwirten außerhalb Europas. Dies soll sich ändern, fordert die Internationale Biovereinigung.

Bio-Milch neben normaler Milch. Bio-Käse neben normalem Käse. Bio-Möhren neben normalen Möhren. Das ist inzwischen in fast allen Discountern und Supermärkten der Nation ein alltägliches Bild. “Bio” ist Trend. Auf etwa 72 Milliarden Dollar wird der weltweite Markt der zertifizierten Bio-Produkte geschätzt. 90% davon entfallen auf Nordamerika und Europa. Allerdings liefern nur 15% der Bauern in Europa und Nordamerika die Bio-Produkte. 85% der Produktion stammen von Landwirten aus Asien oder Afrika.

Insgesamt wird davon ausgegangen, dass der Handel mit Bioprodukten in der Zukunft zunehmen wird. Dementsprechend steigen auch die Erwartungen und Anforderungen an den Ökolandbau – vor allem in den Industrieländern. Aber dort steigen Bio-Landwirte zum Teil wieder aus und um in die herkömmliche Landwirtschaft.

Zum Umdenken gezwungen

Die Gründe dafür seien vielfältig. Als ein wesentlicher Grund wird gesehen, dass Landwirte durch die geringen Arbeitskosten in den Schwellenländern dort deutlich günstiger anbauen können. Hinzu kommt, dass das deutsche Konzept des Biolandbaus keine Spezialisierungen zulässt, was günstigere Produktionsweisen erlauben würde. Und der sehr enge Regulierungsrahmen des Ökolandbaus führt zu einem gefühlten Verlust an Selbstbestimmung. Der Ökolandbau in den Industrieländern ist also wenig attraktiv.

Die landwirtschaftlichen Akteure in Europa sind zum Umdenken gezwungen. Dies geschieht bereits: Im Rahmen des Forschungsprogramms “Horizon 2020” bildet der Ökolandbau einen Schwerpunkt. Derweil wird dieses Umdenken auch als “Bio 3.0” bezeichnet. Im September vergangenen Jahres haben die zentralen Verbände einen umfassenden “Diskussionsbeitrag zum Öko- und Biolandbau 3.0” veröffentlicht.

Mehr Innovationen, breitere Allianzen, andere Kommunikation

Das Autorenteam stellt fest, dass Biolandbau hinter der allgemeinen Entwicklung der Landwirtschaft hinterherläuft und kaum effektive Lösungen anbietet, um die vielfältigen Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können. Mehr Innovationen, Allianzen mit anderen sozialen und wirtschaftlichen Initiativen in der Landwirtschaft und Lebensmittelbereich sowie andere Kommunikationsstrategien werden dafür als Voraussetzung gesehen.

Den Diskussionsbeitrag “Mit Bio zu einer modernen nachhaltigen Landwirtschaft” (PDF) können sie hier herunterladen.

Über Team Eduard Pestel-Institut 21 Artikel
Ausgangspunkt der Gründung des Pestel Instituts waren die beiden ersten Berichte an den Club of Rome: "Grenzen des Wachstums" und "Menschheit am Wendepunkt". Heute sind wir als Forschungsinstitut und Dienstleister weiterhin der Tradition des wachstumskritischen Ansatzes aus dieser frühen Zeit des Instituts verpflichtet. In jüngster Zeit rücken dabei verstärkt Aspekte der Widerstandsfähigkeit oder Krisenfestigkeit von Systemen gegenüber Störungen (Resilienz) in den Vordergrund der Betrachtung. Mehr Wissen über www.pestel-institut.de
Kontakt: Webseite

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*