Stadtguerilla: Hightech für den urbanen Bürgerprotest (Bildergalerie)

Hong Kong, Rio, Istanbul, Hamburg – weltweit wächst die Zahl der Unruhen durch Bürger. Die Polizei ist oft bestens ausgerüstet, während die Demonstranten benachteiligt sind. Zwei Künstler aus New York haben sechs Produkte für den urbanen Untergrundkrieg für den Bürger konzipiert. (Fotos: backslash)

Gummigeschosse, Tränengas, Wasserwerfer – bei der Bekämpfung von Unruhen und gewalttätigen Protesten kann die Polizei nicht nur auf Waffen zurückgreifen. Die Polizisten sind trainiert sowie in Taktik und Deeskalation bestens ausgebildet. Kameras und Helikopter bewahren den Überblick. Schlägt ein friedlicher Protest in Gewalt um, dann weiß die Polizei in der Regel, wie sie schnell und effektiv vorgehen muss.

Die gewalttätigen Protestteilnehmer sind oft im Nachteil. Sie haben weder die Ausrüstung noch die Ausbildung oder die Kommunikationsmöglichkeiten. Die meisten Unruhen sind schnell daher schnell beendet, weil die Protestierende freiwillig aufgegeben haben oder die Polizei sehr effektiv war.

Facebook und Twitter als Revolutionsmacher

Doch es kann auch anders gehen. Während des Arabischen Frühlings waren in manchen Ländern Polizei und Militär machtlos gegen die eigenen Bürger. Dort spielten Facebook und Twitter eine sehr wichtige Rolle. Die Protesteilnehmer konnten sich unbemerkt austauschen und Aktionen organisieren.

Im Sommer 2013 blickte die ganze Welt auf die Türkei. Die als Gezi Park-Proteste bekannt gewordenen Unruhen hielten 112 Tagen an. Die Besonderheit: Einige Teilnehmer haben nebst Molotowcocktails und Steinschleuder andere Waffen gebastelt. “Sanitärgruppen” haben Verletzte zu den selbst errichteten medizinischen Versorgungszentren getragen, während andere die Sanitäter mit ihren selbstgebastelten Schildern geschützt haben. Mehr noch: Die Teilnehmer haben aus dem Protest eine Kulturveranstaltung gemacht. Theateraufführungen, Konzerte und Vorlesungen waren Teil der Proteste.

Gadgets für Unruhestifter der Zukunft

Ähnliches Protestverhalten konnte zur selben Zeit in Brasilien beobachtet werden. Die Unruhen dort werden auch als “Essigrevolution” bezeichnet. Denn mit Essig haben sich die Teilnehmer vor dem Tränengas der Polizei geschützt. Dafür haben sie ihre Schals und Tücher in Essig eingetaucht, um das Einatmen des schmerzenden Gases zu verhindern.

Unter dem Eindruck dieser Proteste haben zwei Kunstschaffende aus New York Gadgets entwickelt, die Protestteilnehmern helfen sollen, sich besser vor der Polizei zu schützen, miteinander zu kommunizieren und Aktionen zu koordinieren. Pedro G. C. Oliveira ist ein brasilianischer Art-Director, der zurzeit an der New Yorker Universität forscht. Xuedi Chen ist eine Designerin, die mithilfe von Zukunftstechnologien Design-Produkte entwirft.

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Es geht nicht um banale Angriffswaffen. In ihren sechs Produkten sind Hightech eingebettet. Mit “Router” beispielsweise kann ein Offline-Netzwerk gestartet werden, falls die Telefonnetze überlastet oder das mobile Internet durch die Behörden ausgeschaltet wurde. So können die Protestierenden auf kleinem Raum immer noch miteinander kommunizieren. Mit “Stencil” können Protestierende kodierte Markierungen an eine Hauswand sprayen, um andere über die Lage Vorort zu informieren.

Es ist nur Kunst, kein Aufruf!

Die beiden Gadget-Entwickler verstehen ihre Produkte als Kunstwerke. Angesichts der gewachsenen Zahl von Unruhen weltweit und der fortgeschrittenen Überwachungs- und Waffentechnologien von Staaten, die ihre Sicherheitskräfte damit ausrüsten, möchten sie mit ihren Gadgets provozieren und die Menschen zum Nachdenken bringen:

“In protests of the future, how will the underground fight back?”

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