Sahara: Grüne Wüste keine Vision mehr

Gemüse produzieren, Strom erzeugen, Biomasse kultivieren – und das in der Wüste. Mit diesem Projekt aus Europa können brachliegende Flächen der Welt genutzt werden, um viele Probleme der Menschheit zu lösen. (Foto: Ingo Mehling)

Wüste. Absolute Trockenheit. Dürre Landschaften. Überall Sand. Nur Überlebensspezialisten aus der Tierwelt halten diese Lebensbedingungen aus. Die meisten Menschen hingegen leben entweder an den wenigen grünen Oasen oder an den Rändern der Sahara. Das sind etwa 60% der Wüsten-Bevölkerung. Der Rest sind Angehörige der Nomaden- bzw. Halbnomadenstämme wie Tuareg oder Tubu, die vor allem durch Westsahara umherziehen.

Aus Wasser Strom, Gemüse und Trinkwasser

Die insgesamt lebensfeindliche Umgebung ist daher eine brachliegende Fläche. Dabei bietet die Wüste zwei wichtige Energiequellen, die in anderen Breitengraden mit großem Aufwand erzeugt werden oder verknappt sind: enorme Hitze und jede Menge Sonne. Mit der Hitze kann man Wasserdampf erzeugen, mit der man Turbinen für die Stromerzeugung antreiben kann. Naheliegend ist der Einsatz der Sonne für die Sonnenenergie.

Wenn vor Ort Wasser existiert, aus dem man Wasserdampf machen kann, dann kann es zuvor für die Bewässerung von Pflanzen genutzt werden. Schließlich geben die Pflanzen es wieder an die Luft ab, das als Trinkwasser oder für die Stromerzeugung aufbereitet werden kann. Die dabei stattfindenden physikalischen Prozesse können die Luft in der Umgebung kühlen, so dass Pflanzen gedeihen können.

Nach Pilotphase in Katar jetzt in Jordanien

Können, sollen, würde, wäre – die Zusammenführung dieser verschiedenen Ideen, Technologien und Prozesse ist bereits realisiert: Das Projekt “Sahara Forest Project” unternimmt diesen gewagten Versuch, der viele absehbare Probleme der Menschheit lösen könnte. Nach einer Pilotphase in Katar wurde dieses Projekt nun auch seit 2014 in Jordanien realisiert. Im Süden des Landes wurden bereits erste Testanlagen errichtet.

Die Initiatoren haben sich zum Ziel gesetzt, auf einer Fläche von 50 Hektar jährlich 34.000 Tonnen Gemüse zu produzieren und dabei 155 Gigawatt/Stunde Strom zu erzeugen. Dabei werden 8.250 Tonnen Kohlenstoffdioxid gebunden. Mit der eingesetzten Technologie werden zudem Algen als Biomasse kultiviert, die als Energielieferant eingesetzt werden kann.

Ein ganz großer erster Schritt

Auch wenn der Weg noch sehr lang ist, bis das Projekt eine funktionierende Marktreife und ertragreiche Größenordnung erreicht, konnte ein zentrales Ziel dennoch erreicht werden: Die angewendeten Technologien sind nämlich nicht neu. Sie wurden aber bisher in sehr kleinen Maßstäben und voneinander unabhängig eingesetzt. Das “Sahara Forest Project” hat es geschafft, sie in industriellen Maßstäben zu realisieren und zudem die unterschiedlichen Technologien zusammenzuführen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projektwebsite: saharaforestproject.com.     

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