Roboter tötet Mensch – er braucht auch Ethik und muss Steuern bezahlen

Unsere Trendnachricht “Roboter tötet Mensch” wurde in den sozialen Netzwerken kritisch diskutiert – und das zu Recht. Der Artikel ist aber ein Denkanstoß über eine Entwicklung, die nicht allzuweit in der Zukunft liegt. (Foto: rtr)

Marion Trippe beispielsweise hat den im Artikel beschriebenen Sachverhalt auf Facebook folgendermaßen auf den Punkt gebracht: “Für den Mitarbeiter und seiner Familie tut dieser schreckliche und sinnlose Tod leid. Aber so schrecklich dies auch ist, sollten Mitarbeiter beherzigen, was die  Berufsgenossenschaft vorschreibt. Es hat auch schon Unfälle gegeben, weil Mitarbeiter keine Sicherheitsschuhe an hatten, die Schweißerbrille nicht auf hatten [..]. Vorwürfe helfen hier natürlich niemandem, aber für die Zukunft sind die Sicherheitsvorkehrungen exakt einzuhalten. Mein aufrichtiges Beileid an die Familie.”

Reißerischer Quatsch?!

In Anbetracht dessen kann man dem wertende Kommentar von Alexander Putz “Was für ein reisserischer Quatsch!” durchaus Recht geben. Michael Feil hingegen brachte einen zusätzlichen Aspekt in die Diskussion ein: “Wenn er mutwillig entsprechend umprogrammiert wurde, könnte man schon von Mord sprechen. Auch wenn der Roboter dann immernoch nur „Tatwaffe“ ist. Aber im Zweifel war es ein tragischer Unfall, der mit Skynet soviel zu tun hat wie Äpfel mit Birnen.”

Skynet ist die künstliche Intelligenz im Film “Terminator” mit Arnold Schwarzenegger, der in einem apokalyptischen Krieg die Menschheit vernichten will. Ja, davon ist die Menschheit noch sehr weit entfernt, vielleicht wird es nie real. Aber die Diskussionsteilnehmer bewiesen viel Humor – das gefällt. Michael Wang fragt beispielweise mit einem Augenzwinkern: “ein Anschlag auf die Arbeiterklasse?”.

Ich gebe zu: Die Schlagzeile war reißerisch, trotzdem berechtigt!

Alle Diskussionsteilnehmer, die die Trendnachricht kritisiert haben, haben Recht. Es war ein Arbeitsunfall. Wir werden aber in der nahen Zukunft menschenleere Fabrikanlagen haben, die Wirtschaftsgüter produzieren werden. Es läuft darauf hinaus, dass in der Altenpflege und in der Schulbildung Pflege- und Lernroboter eingesetzt werden. In der Finanzwelt werden für den Hochfrequenzhandel bereits Computer eingesetzt, die in Millisekunden Kaufentscheidungen fällen. In machen Unternehmen sortiert ein Computer Bewerbungen aus, damit der Personaler sich auf eine engere Wahl von Bewerbern konzentrieren kann.

Genau wie die Waschmaschine, das Auto oder das Handy in unseren Arbeits- und Lebensalltag eingeflossen sind, werden dies auch Computer und Roboter auch tun. Mit einem wesentlichen Unterschied allerdings: Zwischen Mensch und Maschine wird eine enge, auf Abhängigkeit beruhende und interaktive soziale Beziehung entstehen.

Wenn Maschinen Menschen aus den Fabrikhallen verdrängen

In seinem klugen Beitrag Woher sollen Roboter wissen, was gut ist und was böse? schreibt Dr. Jürgen Langenbach in seinem Artikel  für Die Presse:

“Man stelle sich einen Roboter vor, der Kranke und Alte betreut und sie zu festen Zeiten daran erinnert, ihre Medikamente einzunehmen. Wenn die Kranken und Alten sie aber nicht nehmen wollen? Dann ist ihre Gesundheit in Gefahr. Erzwingen kann der Roboter aber auch nichts, sonst wäre die Autonomie der Klienten außer Kraft gesetzt.”

Ähnlich verhält es sich, wenn Maschinen die Arbeiter in den Farbikanlagen verdrängen. Ich versichere Ihnen: Das wird kommen! Das Thema werden wir auf forgsight.com in der Zukunft thematisieren. Aber wenn statt Menschen Maschinen in den Fabriken arbeiten, wer zahlt dann die “Einkommenssteuer”!? Das Steuersystem der Zukunft wird sehr stark davon abhängen, wie in modernen Volkswirtschaften unsere Waren produzieren werden.

Noch hat kein Roboter einen Menschen getötet. Noch werden unsere Alten durch Menschen gepflegt und unsere Kinder von Lehrern aus Fleisch und Blut unterrichtet. Aber Roboter und Computer, die unser soziales Handeln abnehmen und soziale Interaktionen ersetzen, drängen immer stärker in unseren Alltag. Heute hilft uns die Parkassistenz das Auto selbständig in eine Parklücke rückwärts reinzufahren. Morgen schon wird der Boardcomputer uns das Fahren abnehmen. Heute sortiert ein Computer beim Anruf unseres Telekommunikationsanbieters unser Anliegen ein, um uns an den richtigen Ansprechpartner weiterzuleiten. Morgen wird der Computer selber unser Anliegen aufnehmen und bearbeiten.

Ich finde, es ist Zeit, sich über diese Themen Gedanken zu machen. Denn Science Fiction kann schneller als erwartet Wirklichkeit werden.  

Über Kamuran Sezer 67 Artikel

Kamuran Sezer, Jg. 1978 und Diplom-Sozialwissenschaftler, ist seit 2006 als Trend- und Zukunftsforscher tätig. Mit seinem futureorg Institut berät und forscht er zum Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Weitere Informationen finden Sie unter www.kamuran-sezer.com

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