Mieterstrom: Bürgerenergie als Innovationsmotor für die Wohnungswirtschaft?

Foto: Molgreen (CC BY-SA 3.0)

Experten haben sie vor Jahren prognostiziert, Ingenieure haben sie möglich gemacht und nun wurde die Gesetzeslage geschaffen, damit sie wirtschaftlich vermarktet werden kann: die dezentrale Stromversorgung von Wohnquartieren. Doch dabei handelt es sich vielmehr um Marketing als um eine echte Lösung. 

Das als Mieter- bzw. Bürgerstrom bezeichnete Energiemodell sieht vor, dass Wohnquartiere umweltfreundlich und lokal Strom für den Eigenbedarf produzieren können. Die im Juli dieses Jahres beschlossene Novelle des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) hat dafür einige Steine aus dem Weg geräumt, um den Mieterstrom wirtschaftlich attraktiv für Anbieter zu machen.

So werden Mieter von Kosten der so genannten EEG-Umlage teilweise befreit. Das sind Kosten, um die Energiewende zu finanzieren, bei der fossile Energieträger schrittweise durch erneuerbare Energie ersetzt werden soll. Bisher mussten nur Eigenheimbesitzer, die ihren Strom mit Photovoltaik erzeugten, eine reduzierte EEG-Umlage bezahlen. Durch die EEG-Novelle werden ab 2017 auch die Mieter hiervon profitieren können.

Keine Revolution

Hinzu kommt, dass Nutzungsentgelte und Konzessionsabgaben an die Stadtwerke für den im Haus produzierten Strom entfallen, da dieser nicht vom öffentlichen Stromnetz abgeleitet wird. Es gibt demnach Anreize für Immobilienbesitzer und -verwalter die Wohnobjekte auf Photovoltaik umzurüsten. Gewerbliche Mieter verbessern zudem ihre CO2-Bilanz, so die Idee.

Die Bürgerenergie ist allerdings nicht die Revolution, die man dahinter vermuten würde. Zum einen ist sie als Anreiz zur Schaffung von zusätzlichem, in den Städten dringend benötigten Wohnraums ungeeignet. Vielmehr eignet sie sich als Marketinginstrument, um bestehenden Wohnraum besser zu vermarkten. Zum anderen schafft sie nicht jenes Wohnquartier, das in der Stromversorgung autark ist. Dies ist zwar technisch möglich, die dafür notwendigen Speicherkapazitäten sind jedoch sehr groß und setzen hohe Investitionen, derzeit noch unwirtschaftliche Investitionen voraus.

Autarke, dezentrale Stromerzeugung kann aber funktionieren

In Wohnquartieren kann der Strom im Wesentlichen nur aus Photovoltaik-Anlagen stammen, der Strom wird also im Wesentlichen tagsüber erzeugt und in den Morgen- und Abendstunden verbraucht, wenn das Wetter mitspielt. Benötigt wird ein großer Speicher, der aber verursacht hohe Investitionskosten. Allerdings sinken diese Kosten in den letzten Jahren massiv, so dass eine autarke, im Sinne der Netzstabilität sichere und kostengünstige Stromversorgung auch für Quartiere oder Häusergruppen möglich werden wird. Geringere Kosten für Speicher bei gleicher Netzstabilität können erreicht werden, wenn neben Solaranlagen auch andere erneuerbare Energiequellen genutzt werden können, wie Wasserkraft-, Kleinwind- oder Bioenergieanlagen.

Über Team Eduard Pestel-Institut 21 Artikel
Ausgangspunkt der Gründung des Pestel Instituts waren die beiden ersten Berichte an den Club of Rome: "Grenzen des Wachstums" und "Menschheit am Wendepunkt". Heute sind wir als Forschungsinstitut und Dienstleister weiterhin der Tradition des wachstumskritischen Ansatzes aus dieser frühen Zeit des Instituts verpflichtet. In jüngster Zeit rücken dabei verstärkt Aspekte der Widerstandsfähigkeit oder Krisenfestigkeit von Systemen gegenüber Störungen (Resilienz) in den Vordergrund der Betrachtung. Mehr Wissen über www.pestel-institut.de
Kontakt: Webseite

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*