Low Cost Monitor: Nur Fliegen ist billiger

Die Flughäfen in Berlin und Düsseldorf sind im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Vor allem Nürnberg beeindruckt mit einer Verdopplung der Starts pro Woche.

Billig, billiger, Flugticket. Laut der Studie „Low Cost Monitor“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist der Markt der Billigflieger um weitere 15 Prozent gewachsen. Zugleich sind die Ticket-Preise gefallen: der günstigste Preis liegt im Durchschnitt bei 35 Euro Flug – inklusive Steuern und Gebühren. (Foto: DLR)

In der Sommersaison 2017 sind die Preise für günstige Flugtickets noch einmal gefallen, begleitet durch einen massiven Ausbau der Billigflieger in Deutschland. Eurowings erweiterte das Netz bereits vor der Air Berlin-Insolvenz mit der Übernahme zahlreicher Flugzeuge und etablierte dabei eine neue Basis in München. Mit 52 Prozent ist Eurowings Marktführer in Deutschland.

 

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Auch Konkurrent Ryanair baute die Flotte massiv um fast 14 Prozent aus und ist in Europa mit einem Marktanteil von 25 Prozent größter Low Cost Carrier. Deutlich wächst auch das Angebot nach Übersee durch neue Konzepte und Flugzeugmodelle. Diese Ergebnisse stehen im nun erschienenen „Low Cost Monitor 2/2017“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Bericht wird seit 2006 jeweils im Frühling und Herbst veröffentlicht.

Preise fallen auf Tiefststand

„In Deutschland liegt das Angebot von Ryanair als Vorreiter besonders günstiger Flugpreise mittlerweile auf dem zweiten Platz der Low Cost Carrier mit einem neuen Rekord von 243 Strecken“, sagt Studienleiter Dr. Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr in Köln. „Die irische Airline kann über 50 neue Strecken ab Deutschland gegenüber dem Vorjahr verzeichnen“, so Berster. „Davor behauptet sich deutlich die Eurowings/Germanwings mit 368 verschiedenen Strecken in und ab Deutschland, die ebenfalls rund 50 neue Strecken in ihren Flugplan aufnimmt wobei auch einige Lufthansaverbindungen ab München zusätzlich von der Eurowings bedient werden.“

90 Strecken bietet die Easyjet und 73 Strecken die Wizz an. Zusammengefasst verzeichnet der günstige Flugverkehr ab Deutschland ein deutliches Plus von 14,8 Prozent von 700 auf jetzt insgesamt 802 Strecken. Besonders profitieren davon Fluggäste, die Reiseziele in Spanien, Italien oder Griechenland haben. Der Anteil des Low Cost Segments am Flugverkehr von deutschen Flughäfen liegt mittlerweile bei 25 Prozent.

Berlin-Schönefeld und Düsseldorf legen zu, Nürnberg verdoppelt

„Die anhaltend hohe Dynamik im Markt führt erneut zu fallenden Preisen bei den Günstigfliegern gegenüber dem Vorjahr. Die ermittelte Preisspanne ist in diesem Herbst auf einen Tiefststand von rund 35 bis 97 Euro gefallen nach 40 bis 105 Euro im Herbst 2016 und 45 bis 115 Euro im Herbst 2015.“, erklärt Berster. Durch einen weiter relativ niedrigen Kerosinpreis und einen anhaltenden Wettbewerb mit mehr als einem Low Cost-Anbieter auf mittlerweile knapp 100 Strecken ab Deutschland bleiben die Preise im Rückblick niedrig.

Ryanair und Wizz haben trotz weiter verstärkter Präsenz an Großflughäfen die Preise erneut gegenüber dem letzten Jahr gesenkt und den Trend fallender Ticketpreise gestärkt. Aus Sicht der Autoren bleibt es abzuwarten, wie sich die Übernahme der Air berlin auf die Preisentwicklung auswirken wird. Beeindruckend fällt das Wachstum der günstigen Flugangebote an den zwei Großflughäfen Berlin-Schönefeld und Düsseldorf aus. Während der Flughafen in Berlin mittlerweile auf 705 Starts pro Woche kommt, hat der Düsseldorfer Flughafen um 16 Prozent zugelegt. Damit kommt der Flughafen auf 740 Starts i der Woche. Beeindruckende Wachstumszahl weist der Flughafen in Nürnberg auf. Mit 143 Starts in der Woche konnte die Zahl der Flüge mehr als verdoppelt werden.

 

Low Cost und traditioneller Linienflugbetrieb – was sind die Unterschiede?

Die Airlines gestalten ihr Low Cost Angebot oft sehr unterschiedlich. Dadurch lassen sich nur wenige eindeutige Abgrenzungskriterien für das Marktsegment Low Cost definieren: beispielsweise ein niedriger Preis und seine generelle Verfügbarkeit oder ein Direktvertrieb über das Internet. Zunehmend wird die Tendenz sich vermischender Geschäftsmodelle bei den Airlines sichtbar.

Während Ryanair verstärkt auch an Großflughäfen tätig wird und durch Verkauf von Zusatzpaketen versucht, Premiumkunden anzusprechen, greifen Chartercarrier sowie etablierte Fluggesellschaften über Tochtergesellschaften oder eigene Angebote zunehmend in den Markt der preisgünstigen Flugangebote ein. In Deutschland hat Lufthansa bis zum Jahr 2017 alle ihre innerdeutschen und europäischen Flüge außer am Drehkreuzflughafen Frankfurt an die Tochtergesellschaft Germanwings abgegeben, die jedoch seit Anfang November 2015 in eine weitere Tochtergesellschaft Eurowings integriert wird.

Insolvenz von Air Berlin wird den Markt verändern

Die vom DLR im Low Cost Monitor betrachteten Fluggesellschaften werden nicht aufgrund ihres Geschäftsmodells identifiziert, sondern sind solche, die eine hohe Anzahl von Angeboten im Niedrigpreissegment des Gesamtmarktes aufweisen. Darüber hinaus gehende Aussagen über das jeweilige Geschäftsmodell abzuleiten, ist wegen der zunehmenden Hybridisierung der Geschäftsmodelle nicht mehr eindeutig möglich.

Typisch für das Low Cost Preissegment bleiben die niedrigen Preise, ihre generelle Verfügbarkeit und die in Abhängigkeit von der Vorausbuchungsdauer große Spreizung zwischen dem billigsten und dem teuersten Preisangebot auf einer Strecke. Die genannten Ergebnisse der Studie basieren auf Daten einer Referenzwoche im Juli 2017.

Im Low Cost Monitor nicht berücksichtigt ist die Fluggesellschaft Air Berlin, die im August 2017 Konkurs angemeldet hat. So wird es nachfolgend zum Sommer 2017 zu weiteren deutlichen Veränderungen im Markt kommen, wenn zum 28. Oktober 2017 der Verkehr unter Air Berlin Flugnummer eingestellt und in der Folge zahlreiche weitere Flugzeuge in die Eurowings integriert werden. Ryanair kämpft daneben mit internen Problemen und reduziert kurzfristig zum Winter hin sein Angebot. (dlr/forgsight)

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