„Eyeborg” gegen Sehstörung: Farben einfach hören

Farbenblindheit oder Achromatopsie ist eine seltene Sehstörung, bei der nur Kontraste wahrgenommen werden. Mit Hilfe eines „Eyeborg“-Transplantates kann Abhilfe geschaffen werden – wie das Beispiel des Künstlers Neil Harbisson zeigt. (Foto: )

-von forgsight

 Eine typische Szene läuft: Kinder singen im Chor und das Publikum lauscht friedlich. Doch bei diesem Chor handelt es sich nicht um einen normalen, denn er sing nicht nach Noten, sondern nach Farben. Der in Spanien aufgewachsenen Neil Harbisson hat diese Methode selbst entwickelt, weil Musik ihm ermöglicht Farben zu sehen.

Der Künstler leidet seit seiner Kindheit an Achromatipsie, einer vollkommenen Farbenblindheit. Seine Welt besteht aus Grau- und Schwarztönen. Doch Ärzte haben an seinem Kopf einen so genannten „Eyeborg” befästigt, eine Art Antenne, die Töne in Farben umwandelt.

„Sie empfängt die Lichtfrequenz und sendet sie einem Chip, der die Daten in eine Tonfrequenz umwandelt. Ich höre die Farben dann über meine Knochen, denn sie leiten nämlich Töne, also benutze ich genau genommen nicht die Ohren um Farben zu hören, sondern eben nur die Innenohrschnecke”, erklärt Harbisson.

Damit auch andere Menschen seine Wahrnehmungsweise erfahren können, hat der Künstler eine App entwickelt. Mit Hilfe einer Smartphone-Kamera kann nun jeder Farben analysieren lassen und in Töne verwandeln. Was für andere eine gewöhnliche Übung ist, ist für Neil Harbisson Alltag. Seit 2004 trägt er seinen transplantierten “Eyeborg” und erlebt bildende Kunst als Töne: “Für mich ist die Software nichts Externes mehr, sondern Teil meines Gehirns und die Antenne ist Teil meines Körpers. Technologie und Körper sind mit der Zeit zusammen gewachsen.”

Zehn Antennen hat Neil Harbisson seit 2004 getragen. Jedes Jahr gibt es ein Upgrade, um auf der Höhe der Technik zu bleiben. Sein inneres Auge nimmt Teil an der Entwicklung mit immer prächtigeren Farberlebnissen.

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