Donate-Button: Agitation ohne das digitale Wohnzimmer zu verlassen

„Liken“ war gestern. Heute kann man „donaten“. Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf können Fans ihre Kandidaten direkt mit einer Spende unterstützen. Eine Anleitung – nicht nur für Parteien.

Dieses Prinzip der so genannten „Call-to-Action“-Buttons, die im Übrigen kinderleicht zu installieren und verwalten sind, wird ständig weiterentwickelt. Seit Dezember 2013 kann man Organisationen ganz einfach – von zuhause oder unterwegs – per Klick auf den Spenden-Button unterstützten. Die wichtigsten Organisationen, wie Oxfam, UNICEF oder das Rote Kreuz haben sich dieser Funktion schnell bedient. Im Rahmen des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA können erstmals auch Parteien und Kandidaten diesen Button benutzen

Der Spender wird auf die externe Website des Spendenempfängers weitergeleitet, wo man die Spendensumme festlegen kann. Als Zahlungsmittel stehen sowohl Kreditkarten, als auch PayPal zur Verfügung. Neben festen Beträgen kann man auch einen selbstgewählten Betrag eingeben. Die Spende geht dabei komplett an den Empfänger. Als Beispiel sei hier die Spendenseite des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders aufgeführt, da sie sehr ausgeprägt ist und Sanders im Vergleich zu den anderen Kandidaten besonders viele Kleinspenden anhäufen konnte.

Viele Follower als Voraussetzung

Das Wahlkampfspendengesetz der USA verpflichtet den Spender seinen Beruf anzugeben. Das Parteiengesetz der BRD hingegen sieht vor, dass sich Spender von Summen unter 500 Euro anonym bleiben. Berufs- oder Herkunftsangaben könnte man optional gestalten. Wie schon bei einem herkömmlichen Mitgliedsformular einer Partei, könnte der Nutzer weitere Informationen angeben, wie Wohnort oder Beruf. Dadurch entstünde absolute Transparenz über die geografische und soziale Herkunft der Spender.

Außerdem besteht die Option einen wöchentlichen Dauerauftrag für Spenden zu installieren, was besonders in den Monaten vor wichtigen Wahlen interessant sein dürfte. Per E-Mail enthält der Nutzer dann den Spendenbeleg. Über die Teilen-Funktion kann man auch seine Freunde auf die Spende aufmerksam machen. Die Partei kann dann sowohl die genaue Anzahl der Spender, als auch die Gesamtsumme anzeigen oder sich ein konkretes Spendenziel für eine Aktion setzen.

Obwohl es bisher noch keine konkreten Informationen gibt, ob es die Funktion auch für Parteien in Deutschland geben soll (für Non-Profit-Organisationen gibt es den Button bereits), kann man davon ausgehen, dass der Button nach erfolgreichem Pilotprojekt in den USA bald auch in Europa verfügbar sein wird.

FDP hat Aufholbedarf

Mit 28 Millionen Nutzern allein in Deutschland (Stand 2015) ist Facebook das größte soziale Netzwerk im Internet. Immer mehr Nutzer folgen Parteien um ihre Sympathien auszudrücken oder sich über Programme und politische Arbeit zu informieren. Damit der Button sinnvoll genutzt werden kann, benötigen die Parteien hohe Follower-Zahlen.

Auch wenn die „Gefällt mir“-Zahlen keineswegs die politischen Verhältnisse in der Bundesrepublik oder die reellen Mitgliederzahlen repräsentieren (so liegt die AfD bei ca. 255.000 Likes, CDU und SPD dagegen bei jeweils ca. 100.000), hat die FDP hier Aufholbedarf, da sie gerade mal 43.700 Follower auf Facebook hat (Zum Vergleich: Selbst die Piraten haben ca. 82.600, Stand: März 2016).

Spendenbutton als nützliches Instrument

Richtig eingesetzt kann der Spenden-Button ein Gewinn für eine Partei sein. Will sie vom Spendenbutton profitieren, muss sie erst mehr Follower in den sozialen Netzwerken gewinnen. Der Button sticht auf der Facebook-Seite sofort ins Auge. Neben der stärkeren Transparenz lassen sich Unterstützer dadurch leichter erreichen. Es besteht die Chance effizienter Spenden zu mobilisieren, da der Nutzer sein „digitales Wohnzimmer“ dafür nicht mehr verlassen muss, so dass der Klick auf den Spenden-Button weniger aufwendig ist als die Überweisung per Online-Banking.

Weiterhin ergibt sich für eine Partei der Nutzen, dass sie über wichtige Informationen verfügt. So hat sie Einsicht darüber, aus welcher Region oder aus welchem Berufsstand die meisten bzw. großzügigsten Spender stammen, wodurch der Wahlkampf gezielter gesteuert werden kann.

Nehmen wir also an, dass Parteienspenden nach den Wählerstimmen die aktivste Form der Unterstützung sind (eine empirische Untersuchung hierüber wäre interessant), kann man den Wahlkampf in den Regionen, wo es weniger Spender gibt, verstärken. Gleichzeitig kann man engagierte Wählergruppen ausmachen bzw. sehen, in welchen Bevölkerungsgruppen man noch Luft nach oben hat.

Effektive Spendensteuerung durch Huckepack-Strategie

Positive PR könnte man dadurch erzeugen, indem man einen Teil der Spenden für karitative Zwecke einsetzt und dies den Spendern von vornherein deutlich macht (z.B. „10% der Spende gehen an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei!“). Es hat sich gezeigt, dass es je nach Themenlage in den Medien auch Schwerpunkte bei den Spenden gegeben hat. Wurde 2014 noch vermehrt an Organisationen gespendet, die sich der Bekämpfung der Ebola-Epidemie widmeten, verlagerte sich der Fokus der Spender im vergangenen Jahr auf Flüchtlingshilfe. Aber auch Nischenthemen können dadurch in den Mittelpunkt geraten. So sind im Sommer 2014 durch die Ice Bucket Challenge rund 115 Millionen US-Dollar in die Erforschung der Nervenkrankheit gewandert, die als ALS bekannt geworden ist.

Was karitativen Organisationen hilft Spenden in Verbindung mit aktuellen Ereignissen einzusammeln, kann auch bei Parteien funktionieren. Man könnte dies zum Beispiel an Kampagnen binden. Die österreichischen NEOS haben zum Beispiel zu „Spenden gegen Strache!“ aufgerufen.

Wenn sich die AfD in der Öffentlichkeit weiter als „liberale Partei“ geriert, könnte man zum Beispiel zur Kampagne „Spenden gegen Storch!“ aufrufen. Durch das Teilen einer Spende können Parteimitglieder auf ein Problem hinweisen und evtl. neue Mitglieder rekrutieren. Durch das Veröffentlichen von Spenden könnte auch ein Wettbewerb zwischen Parteimitgliedern oder Kreisverbänden entstehen, wer am meisten gespendet hat.

Facebook-Spenden als Pfeiler für den Wahlkampf

Die NEOS haben in Österreich vorgemacht, wie man mit wenig Mitteln viel akkumulieren kann, aber auch das Beispiel Sanders ist nicht zufällig von mir gewählt. Empirische Erhebungen zeigen, dass seine knapp drei Millionen Unterstützer durchschnittlich 27 US-Dollar (knapp 18 Euro) gespendet haben.

Dadurch kann er sich mit der finanziell wesentlich potenteren Clinton ein Kopf-an-Kopf-Rennen bieten. Diese 18 Euro erscheinen auf den ersten Blick nicht viel. Wenn man es jedoch schafft breite Bevölkerungsgruppen zu mobilisieren (Sanders ist besonders populär bei jungen Wählern), kann sich eine beachtliche Summe addieren, auf die man im Wahlkampf nicht verzichten möchte.

Umständliche Bedienung könnte noch abschrecken

Kritiker bemängeln, dass das Weiterleiten auf die Homepage der Organisation etwas umständlich sei. Frühere Versionen des Buttons ließen sich einfacher bedienen, da das Eingabefenster für die Spende direkt bei Facebook erschien.

Facebook selbst verlangt für den Button keine Provision. Bei der direkten Spende über Facebook werden die Kreditkartendaten des Spenders standartmäßig gespeichert. Datenschützer wird dies alarmieren, da man diese Informationen nur manuell über seinen Account löschen kann. Das Unternehmen spekuliert darauf, dass Nutzer, die einmal unkompliziert Geld für etwas bezahlt haben, auch in Zukunft dazu bereit sein könnten für Angebote der Social Media-Plattform Geld auszugeben.

Außerdem ist die Kooperation Facebooks mit Non-Profit-Organisationen gut für das eigene Image und in Wahlkämpfen bewahrt man sich Neutralität. Interessant wird die Frage sein, wie Facebook mit dem Button umgeht bei extremistischen Parteien bzw. solchen, die etwa aufgrund von Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehen.

 

Über Denis Baro 15 Artikel

Denis Baro hat in Frankfurt am Main, Bologna und in London Politik, Rechtswissenschaft und Internationale Beziehungen studiert. Derzeit ist er als Analytiker und Autor für forgsight.com tätig und absolviert ein Postgraduiertenstudium an der Deutschen Universität für Verwaltung in Speyer.

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