Digitalisierung der Bildung als Schlüsselfrage der Zukunft

Durch Schwerfälligkeit und Bedenkenträgerei steht Deutschland in Fragen der Bildung und Digitalisierung nicht selten selbst im Wege. Personalisierung und Flexibilisierung werden sich jedoch auch hier nicht aufhalten lassen. 

-von DTJ-Online

Henkel-Chef Kasper Rorsted äußert sich im Manager-Magazin unmissverständlich: „Ich bin überzeugt, dass wir in zwei weiteren Bereichen wesentlich mehr tun sollten: Deutschland muss den Themen Digitalisierung und Bildung künftig mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen.“

Bis dato tut sich allerdings wenig und nicht mal das allzu schnell. Man lehnt kategorisch jedwede Infragestellung der Schulpflicht ab, um das staatliche Schulwesen vor grundlegender Konkurrenz zu schützen und investiert in zweifelhafte „Bildungspläne“ mit übergriffigen Inhalten, während viele Schulen mit der Computertechnologie von vorgestern arbeiten müssen und beispielsweise Geld für Lehrmittel in MINT-Fächern fehlt.

Dabei sind Digitalisierung, aber auch atypische Bildungswege und Personalisierung des Bildungsangebots global als Megatrends im Kommen und neben den USA sind Schwellenländer wie Brasilien und Indien die Spitzenreiter im Bereich der digitalen Revolution in der Bildungswelt. Dort sind Onlinekurse angesichts fehlender und teurer Studienplätze für viele die Rettung in der Not. Deutschland und Europa drohen hingegen den Anschluss zu verlieren, weil das Mittelmaß zum Standard wird und Bildung von der Stange als Errungenschaft im Sinne der Gleichheit betrachtet wird.

Damit der Trend zur Akademisierung, der vor allem in Europa politisch gewollt ist, nicht zur Herausbildung eines Akademikerproletariates führt, muss sich auch die Bildungslandschaft darauf einstellen, dass personalisierte und auf individuelle Lebens- und Lernsituationen abgestimmte nicht am Fehlen von Infrastruktur und Flexibilität scheitern.

Aus der Massifizierung in der Bildung muss Personalisierung erwachsen

Immer mehr Menschen studieren neben ihrem Brotberuf, in Teilzeit, im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen, als Eltern kleiner Kinder oder Betreuer pflegebedürftiger Eltern. Entsprechend sind auch gezielt auf die Lernenden zugeschnittene digitale Bildungsangebote ein Weg, um dieses Potenzial zur Entfaltung kommen zu lassen.

Dabei ist die Massifizierung, also der Trend zu einer immer größeren Anzahl Studierender, dann eine Chance, wenn sie eine Zwischenstation auf dem Weg zur Personalisierung ist. Im Konsumgüterbereich und im Bereich der Onlinedienste haben sich diese Modelle bereits bewährt. Plattformen wie Simfy oder auch Onlineanbieter von individuell zusammengestelltem Frühstücksmüsli haben Plattformen für die Masse geschaffen, aus denen heraus Inhalte personalisiert werden.

Vom Megatrend Digitalisierung werden vor allem die Länder profitieren, die gezielt in eine starke und zukunftsfähige digitale Infrastruktur investieren. Das setzt voraus, dass „disruptive“ Technologien als Chance und nicht vornehmlich als Bedrohung wahrgenommen werden.

Digitalisierung findet statt – schlimmstenfalls auch ohne Deutschland

Bis dato lebt unser Land jedoch noch weiter gut mit etatistischen Lebenslügen von Gestern. Google Chart wird von der Politik ebenso zum Feindbild erklärt wie der Chauffeurdienst Uber oder das Übernachtungsportal Airbnb. Während die Bedenkenträgerei ihren Hauptakzent auf Risiken und First World Problems lenkt, suchen andere ihre Chance und gehen in die Offensive – wie der chinesische Onlinehändler Alibaba, der in New York an die Börse ging, um mit mehr als 200 Milliarden Dollar Börsenwert sogar Facebook Chart zeigen und Amazon Chart auf die Plätze zu verweisen.

Die Zukunftsfähigkeit des Standorts kann nur dann gesichert werden, wenn zum einen die digitale Zukunft aktiv mitgestaltet wird, wenn Bildung endlich als das begriffen wird, was sie ist, nämlich eine Dienstleistung an den Familien, und wenn die Fachkräfte und High Potentials im Land gehalten werden können – was umso schwierige wird, je mehr die Politik Angst kultiviert statt Zukunftsoptimismus zuzulassen.

Vermehrt ausländische Studenten an die deutschen Hochschulen gibt es jetzt schon – gerade bei den so genannten, zukunftsträchtigen MINT-Fächern. Ob diese dauerhaft im Land bleiben, hat hingegen mit der Willkommenskultur und mit der Bereitschaft der Verantwortlichen in Deutschland zu tun, die eigenen Hausaufgaben zu erledigen.

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