China: Arbeiterrevolution – mit Robotern

Die Boomjahre Chinas sind vorbei. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, möchte die chinesische Führung die Wirtschaft des Landes robotisieren. Dabei möchten sie auch Deutschland imitieren. (Foto: U.S. Army/flickr)

China ist nach wie eine wichtige Stütze der Weltwirtschaft. Seine Boomjahre scheinen allerdings vorbei zu sein. Das Land muss in Wirtschaft und Gesellschaft eine ganze Reihe von Herausforderungen bewältigen. Der Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahrzehnte hat nicht nur den Wohlstand im Volk vermehrt sondern es in Teilen modernisiert.

Bisher war Chinas ökonomische Rolle der einen rauchenden Produktionsanlage. Nahezu alle Konsumwaren der Welt wurden dort produziert. Von Kleidung über Plastikwaren bis hin zu Elektronik haben die chinesischen Arbeiter hergestellt. Ihr Wettbewerbsvorteil bisher war die unermessliche Zahl an niedrig-qualifizierten Arbeiter, die zu Niedriglöhnen diese Waren hergestellt haben.

Chinas Wirtschaft mit Robotern “revolutionieren”

Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, während die Löhne weiter steigen. Der globale Wettbewerbsvorteil Chinas schmilzt auf diese Weise stetig. Um ihn aufrecht zu erhalten, müssen die chinesischen Firmen effizienter werden. Das heißt: Immer fortschrittlichere Technologie muss in der Produktion eingesetzt werden. Die Robotisierung der chinesischen Wirtschaft wird von der politischen Führung des Landes als eine zentrale Lösung angesehen.

Auf der ersten nationalen Konferenz zur Robotik hat der Vizepräsident der Volksrepublik China dieses Ziel erstmals in aller Deutlichkeit angeführt. Mithilfe von Robotern soll Chinas Wirtschaft Grund auf revolutioniert werden. Tätigkeiten, die bisher von Millionen Niedriglohn-Arbeitern händisch ausgeführt wurden, sollen völlig automatisiert werden. So will die Führung Chinas auch in den nächsten Jahren ein Wirtschaftswachstum von mindestens 6,5% erzielen.

Weitere Ziele: Qualifikations- und Kompetenzstruktur des Arbeitsmarkts verbessern

Im MIT Technology Review heißt es, dass diese Strategie der Chinesen aufgehen könnte. Neben Produktivitätssteigerung und Wirtschaftswachstum könnte der chinesische Arbeitsmarkt aus überwiegend Niedrigqualifizierten grundlegend reformiert werden. Die Robotisierung der Produktion könnte die Qualifikations- und Kompetenzstruktur des chinesischen Arbeitsmarkts sowohl verbessern als auch diversifizieren.

Das sind zwei essentielle Wettbewerbsfaktoren, die die Zukunftsfestigkeit der chinesischen Wirtschaft verbessern könnten. Denn die Planung, der Bau und die Wartung der Roboter würden nicht nur neue sondern auch mittel- bis hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Signifikante Hinweise für diese Strategie Chinas kommen auch vom Verband “International Federation of Robotics”. Denn er schätzt, dass bis 2018 aller weltweit installierten Roboter in China liegen werden.

Deutschland muss aufmerksam sein

Deutschland muss dabei offenbar achtsam sein. Denn als erweiterter Teil der Strategie Chinas gilt es offensichtlich auch, Deutschland auf diesem Gebiet zu imitieren. Bereits 2011 hat Deutschland unter der Bezeichnung “Industrie 4.0” die Vision einer automatisierten aber auch intelligenten und vernetzten Industrie ausgegeben. An dieser möchten die Chinesen sich wohl ebenso orientieren.

Mithilfe dieser Roboter-Strategie wird das Land nicht nur eine neuartige Arbeiterrevolution anführen, in dem Millionen von niedrigqualifizierten Arbeiter ersetzt werden. Als eine der größten Volkswirtschaften der Welt könnte China die Robotisierung führende Industrienationen anführen und beschleunigen.

Über Kamuran Sezer 67 Artikel
Kamuran Sezer, Jg. 1978 und Diplom-Sozialwissenschaftler, ist seit 2006 als Trend- und Zukunftsforscher tätig. Mit seinem futureorg Institut berät und forscht er zum Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Weitere Informationen finden Sie unter www.kamuran-sezer.com

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