Zukunft des Shopping wirft Fragen auf

Vor wenigen Wochen wurde in der Bundeshauptstadt ein neuer Einkaufstempel eröffnet. Am Leipziger Platz soll es in die Fußstapfen einer Berliner Institution treten. Bis zum zweiten Weltkrieg stand an gleicher Stelle Europas größtes Kaufhaus. Doch die modernen Konsumtempel sorgen nicht nur architektonisch für Aufregung. (Foto: rtr)

-von forgsight

Unweit des Potsdamer Platzes eröffnete Ende September mit viel Tamtam ein neues Einkaufszentrum oder, wie der aus dem Englischen stammende Name schon sagt, eine Mall. Diese Malls sprießen in der Bundesrepublik derzeit aus dem Boden. Ob in Berlin, Frankfurt oder Dortmund. Überall kann man nun das, was man auch in der Fußgängerzone findet, auch drinnen genießen.

Nun wurde bereits vor wenigen Jahren der Potsdamer Platz feierlich restauriert samt naheliegendem Einkaufszentrum “Alexa”, der in der Berliner Schnauze wenig liebevoll “rosafarbener Kotzbrocken” genannt wird. Gleich um die Ecke der Mall of Berlin liegt die Friedrichstraße mit der hippen Gallerie Lafayette. Über die hohe Konzentration an Einkaufszentren auf kleinem Raum darf durchaus diskutiert werden. Zudem bezeichnen Stadtplaner, wie Johannes Novy die Mall als “architekonisches Nicht-Ereignis”, welches Berlin nicht lebendiger mache. Dass solche Einkaufszentren überlaufen sind, läge an einem allgemeinen derzeitigen “Hype um Berlin”.

Das Problem solcher Malls ist, dass sie sich nicht nur architektonisch selten absetzen, sondern auch drinnen gibt es wenig, was es nicht auch in einer Fußgängerzone gäbe. In der Hauptstadt gibt es derzeit bereits 65 solcher Malls. Dabei geht unter, dass sich Urbanität nicht im Konsum erschöpft, sondern durch eine gesunde Mischung und Verknüpfung von Konsum, kulturellen, sozialen und räumlichen Werten. Einkaufscenter würden dazu nichts beitragen und sogar das städtische Leben einschränken, so Novy. Dies sei sogar durch sozialwissenschaftliche Studien belegt. Die Monotomie der Malls beraube Städte langfristig ihren Standortvorteil.

Novy verweist auf Rotterdam, wo dieses Jahr eine gigantische Markthalle in Form eines Triumphbogens eröffnet wurde. Diese stelle tatsächlich bereits eine neue Attraktion dar und passe sich auch angemessen dem Stadtbild an.

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Wie verschiedene lokale Medien heute berichten, zeigt die Mall noch eine hässliche Facette der modernen Gesellschaft. Mehrere Gastarbeiter aus Rumänien kampieren vor der Mall am Eingang zur Voßstraße um auf die mangelhaften Arbeitsbedingungen beim Bau der Mall und ausstehende Gehaltszahlungen aufmerksam zu machen. Vereinzelt gab es sogar Selbstmorddrohungen seitens der Arbeiter, da man sich und die Familien nicht mehr ernähren könne. Sie sprechen von organisierter Schwarzarbeit, indem sie sogar vorgewarnt wurden, wenn der Zoll spontane Kontrollen durchführte. Natürlich haben Malls Schwarzarbeit mit Dumpinglöhnen nicht als exklusives Problem, aber bei ambitionierten Bauprojekten mit festen Deadlines und fast undurchsichtigen Organisationsplänen, sind solche Phänomene mittlerweile die Regel geworden.

DGB-Sprecher Dieter Pienkny sagt, es seien schon doppelt so viele wie im Vorjahr. „Es kann nicht sein, dass Bauarbeiter ihrem Geld hinterher rennen müssen und wir uns gleichzeitig im Glanz solcher Malls sonnen. Schwarzarbeit, Lohndumping, Nötigung von Beschäftigten fällt der ganzen Stadt auf die Füße.“ Die Verantwortlichen Bauleiter und Geschäftsführer der Mall wehren sich unterdessen gegen die Unterstellungen der Arbeiter. Alles sei mit Rechten Dingen zugegangen.

 (zeit/ rbb/forgsight)

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