Studie zu Urban Gardening: Gartenromantik oder echte Stadtentwicklung?

Gemeinschaftsgärten oder Urban Gardening, wie sie Neudeutsch heißen, sind stark im Kommen. Nun gibt es erstmals eine Studie, die untersucht, welche Effekte dieser globale Trend auf die deutschen Städte hat. 

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat eine Studie durchführen lassen, um zu ermitteln, wie “Gemeinschaftsgärten” bzw. “Urban Gardening”, wie sie Neudeutsch genannt werden, die Stadtentwicklung beeinflussen.

“Wer aufmerksam durch Städte und Quartiere geht, der mag sich schon über ungewöhnlich anmutende grüne Oasen gewundert haben.”, schreibt Harald Herrmann, Präsident des BBSR, im Vorwort der Studie. “Ob in Baulücken, am Rande von Grünanlagen oder auf Dächern von Parkgaragen, es werden vermehrt Beete angelegt, um inmitten der Stadt Obst und Gemüse anzubauen.”

Urban Gardening vs. Vertical Farming

Seit einigen Jahren werden in den Megametropolen der Welt verschiedene Konzepte erprobt, um sie “grüner” zu machen und die Versorgung der Einwohner mit Obst und Gemüse aber auch Fisch und Fleisch zu verbessern. “Vertical Farming” ist eines dieser Zauberkonzepte, von dem ausgegangen wird, dass sie die Lebens- und Ernährungsqualität der Stadtmenschen spürbar zu verbessern. 

Während Vertical Farming für Weltregionen Sinn macht, die mit einer starken Urbanisierung und Überbevölkerung konfrontiert sind, scheint das Urban Gardening die geeignetere Lösung für Deutschland zu sein. Zu einem ähnlichen Schluss kommen auch die Autoren der BBSR-Studie “Gemeinschaftsgärten im Quartier”.

Zivilgesellschaft Träger von Gemeinschaftsgärten

Anhand von sieben Fallbeispielen aus dem Bundesgebiet haben die Forscher untersucht, wie Urban Gardening auf die Quartiersentwicklung, Lebensqualität, Integration und das Zusammenleben von Menschen und sozialen Gruppen auswirkt. Die Autoren kommen zu der grundsätzlichen Einschätzung, dass Urban Gardening wichtige Beiträge insbesondere in benachteiligten Quartieren leisten.

So heißt es in der Studie: “Das Gros der Gemeinschaftsgärten wird von zivilgesellschaftlichen Gruppierungen initiiert und entwickelt, deren Mitglieder dabei oft kreative Wege bei der Beschaffung von Flächen, Materialien und auch Fördergeldern beschreiten. Die Menschen sind dabei von Eigeninitiative und Experimentiergeist angetrieben, der sie veranlasst, gemeinsam und auf ungewöhnliche Weise Räume in der Stadt zu verändern.”

Dabei nennen die Autoren an Bund, Länder und Kommunen zahlreiche Handlungsempfehlungen. Dabei wird betont, dass dieses Themenfeld von Seiten der Verwaltung ressortübergreifend behandelt werden sollte. Auch den Austausch und die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren wird empfohlen.

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