Medienkompetenz: Wie man selbst Manipulation vorbeugen kann

Wem kann man noch trauen? Als Nachrichten und zuverlässige Informationen getarnte Gerüchte werden gestreut, die die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen sollen. Nicht selten werden getürkte Quellen angegeben oder Bildmaterial manipuliert. Serdar Ablak hat für die medienkompetenten Bürgerinnen und Bürger einige Tipps.

Um Informationen aus dem Internet richtig zu bewerten muss man sich gewisse Fähigkeiten angeeignet haben: kritisches Denkvermögen, Informationen schnell zu überfliegen, das Unbrauchbare vom Brauchbaren unterscheiden zu können, zumindest grundlegende literarische Kenntnisse zu haben, gründlich zu lesen, einen Sinn um ein gutes Urteil fällen zu können und einen gesunden Menschenverstand.

Diese Fähigkeiten bekommt man mit der Zeit und der Erfahrung. Man kann sich diese Fähigkeiten schneller erarbeiten, wenn man auf gewisse Punkte beim betrachten einer Webseite achtet. Ich werde hier einige Punkte aufzählen, die einfach zu befolgen sind und einen Einblick geben sollen, wie man mit Informationen aus dem Internet umgehen sollte. Die Punkte sind geordnet und sollten auch nach der Reihenfolge befolgt werden.

Wenn man bei einer Internetrecherche fündig geworden ist, ist es das erste was man tun sollte um über die Vertrauenswürdigkeit urteilen zu können, sich die Internetadresse, also die URL anzusehen. Man sollte nach folgenden Kriterien schauen:

Die URL

Ist die Seite eine private Webseite? Wenn ja, kann man den Namen der Person u.U. in der URL schon sehen. Dass die Webseite eine persönliche Seite ist bedeutet noch nicht, dass die Information nicht vertrauenswürdig ist. Trotzdem sollte man vorsichtig sein, da es keine Garantie für die Qualität des Textes gibt.

Domäne und Veröffentlicher – hier sollte man sich überlegen, ob die Domännamenerweiterung passend zu dem Thema ist, welches man recherchiert. Wenn man z.B. nach pädagogischen Informationen sucht, könnte man sich nach Seiten mit der Namenserweiterung .edu umschauen. Staatlich betriebene Webseiten haben überwiegend die Erweiterung .gov und gemeinnützige Organisationen benutzen manchmal .org. Vorsicht ist bei Ländernamenserweiterungen geboten: diese werden nicht kontrolliert und können missbraucht werden. Egal wie die Internetadresse aussieht, es ist immer besser nach dem Veröffentlicher zu suchen. Diese steht meistens zwischen dem http:// und dem ersten /. Das wäre dann der Name des Servers den der Autor zum veröffentlichen verwendet hat. Man sollte sich gut überlegen, ob man von dieser Seite etwas gehört hat und ob der Name zu dem Inhalt der Seite passt.

Autor und Datum

Autor – es sollten detaillierte Kontaktinformationen des Autors vorhanden sein, unabhängig davon ob Privatperson  oder Unternehmen. Nur eine E-Mailadresse allein reicht für die Glaubwürdigkeit nicht aus. Man sollte auch zwischen einer Privatperson unterscheiden, die einfach nur eine Meinung über das Thema wiedergibt, und zwischen einem Experten, der auf sein Wissen basierend seine Meinung schreibt. Hier sollte man zwischen unbrauchbaren und brauchbaren Informationen unterscheiden: ist der Text eine Expertenmeinung oder die Meinung von irgendjemandem der einfach nur seine Meinung loswerden will. Man sollte bei einem Autor einer Webseite auf das gleiche achten, wie bei einem Autor eines Buches: das Verhältnis zum Thema.

Datum – man übersieht häufig das Datum der Webseite. Man sieht meistens das Datum der letzten Aktualisierung am Ende der Seite. Dies verrät ob der Autor immer noch an der Webseite arbeitet; mit anderen Worten: ob er immer noch Interesse an dem Thema hat. Wie aktuell die Information ist hängt natürlich an der Aktualität des recherchierten Themas ab. Wenn gar keine Datumsangabe gemacht worden ist, sollte man davon absehen, die Seite als Informationsquelle zu benutzen.

Qualität des Inhalts

Quellen – diese müssen in irgendeiner Weise vom Autor dokumentiert werden (auf einer separaten Seite, Fußnoten, etc.). Wenn auf anderen Seiten verwiesen wird, sollte man überprüfen ob sie vertrauenswürdig erscheinen und ob diese noch aktuell sind. Wenn die Quellen nicht erwähnt werden (vor allem bei wissenschaftlichen Recherchen), hat der Text keine mindere Bedeutung als irgendeine Meinung von irgendjemanden. Quellenangaben verleihen der Aussage des Textes zusätzliches Gewicht. Wenn die Information von einer externen Quelle zitiert wurde, sollte man überprüfen ob sie existiert und sie nicht abgeändert wurde. Auch die Copyrightangaben sollten beachtet werden; der Autor sollte das Recht haben, es auf seine Webseite kopieren zu dürfen. Das hört sich nach einer komplexen Sache an, aber wenn es um das Internet geht, sind Copyrights eine heikle Angelegenheit wo „irgendwie jeder alles“ veröffentlicht. Trotzdem sollte man vor allem bei wissenschaftlichen Arbeiten das Copyright beachten.

Organisation der Information – hier sollte man auf die logische Struktur des Textes achten (logische Reihenfolge und ein nicht zu abgehackter Textsinn); die Kernaussagen sollten klar und deutlich dargestellt sein (wenn der Autor sich nicht richtig ausdrücken kann, könnte dies sein eigener Stil sein – oder aber ein Zeichen dafür, dass er kein Experte auf dem Gebiet ist).

einwandfreie Grammatik und keine Rechtschreibfehler – dies sollte selbsterklärend sein. Wenn ein Autor offensichtlich nicht schreiben kann oder es nicht schafft seine Gedanken auszudrücken, schadet dass der Qualität des Inhalts sehr. Diese Autoren sprechen nicht für die Vertrauenswürdigkeit der Texte die sie schreiben. Das bedeutet außerdem, dass der Text nicht korrekturgelesen wurde welches nochmal gegen die Vertrauenswürdigkeit des Autors spricht.

Grafisches und multimediales Design – hier sollte man schauen, ob das Design und der bildliche Inhalt der Webseite passend zum Thema ausgewählt wurde und es dem Benutzer erleichtert sich im Thema zurechtzufinden (zuviel multimedialer Inhalt lenkt von der Aussage des Textes ab). Die Webseitennavigation sollte ebenfalls benutzerfreundlich sein.

Meinungen von Dritten

Verlinkungen zu der Seite – die Qualität der Seiten, die zu der Seite verweisen sollten bei der Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit eine Rolle spielen (im Übrigen macht es google beim Erstellen von Rankings nicht anders; je mehr man von qualitativ guten Seiten verlinkt wird, desto weiter oben steht man in der google-Suche)

Verzeichnisse – es ist angebracht nachzusehen, ob die Webseite in speziellen Verzeichnissen aufgelistet ist. Dabei kann das Verzeichnis, in dem es aufgelistet ist, etwas über die Webseite aussagen.

Autor – man sollte nach Informationen über den Autor suchen. Google ist eine große Hilfe um herauszufinden, was andere von dem Autor halten.

Letzte Gedanken bevor man über eine Webseite urteilt

die Absicht der Webseite – was ist die Absicht? Zu informieren, zu erklären, zu verkaufen, zu teilen, etc.?

der Textstil – der Stil kann humorvoll, ironisch, satirisch, neutral, etc. sein. Passt der Stil zum dem Inhalt? Der Stil kann trügerisch sein und den Leser sogar auf seiner unterbewussten Ebene manipulieren. Man muss sehr vorsichig sein um nicht aufs Glatteis geführt zu werden.

man sollte die Einstellung zu online-Material mit der Einstellung zum gedruckten Text vergleichen – man sollte Informationen einer Webseite genauso betrachten, wie Informationen auf Papier. Die Einstellung zu Informationen aus dem Internet sollte nicht von der Einstellung zu Informationen auf Papier abweichen. Man sollte sich also auf den Inhalt konzentrieren und sich nicht von den visuellen Effekten einer Webseite ablenken lassen.

Ich möchte als post scriptum noch hinzufügen, dass man diese Tipps nicht nur für Recherchen benutzen sollte, sondern man es sich zu einer Angewohnheit machen sollte, alle Nachrichten im Internet unter diesen Gesichtspunkten zu beleuchten. So lernt man auch zwischen den Zeilen zu lesen. Oder glaubst du auch noch, dass Michael Jackson lebt?

Über Serdar Ablak 1 Artikel
Serdar Ablak ist Chefblogger und Gründer von www.ruhrblogger.de. Der gebürtiger Oberhausener lebt mittlerweile in Köln, arbeitet aber immer noch in Duisburg. "Der Weg ist zwar manchmal anstrengend, aber das Ruhrgebiet ist es Wert!", sagt der überzeugte Ruhrpottler über die Metropole.
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