Foodwatch: Viele Kinderwerbung für Lebensmittel unzulässig

Foodwatch kritisiert in einer Studie die Lebensmittelhersteller, dass sie unzulässige Kinderwerbung machen. Doch die Studie selbst ist irreführend. (Foto: Kyle May)

“Sie schmelzen im Mund und nicht in der Hand.” Na, wissen Sie, welches Produkt gemeint ist. Manche Kinder sollen sogar um “halb zehn in Deutschland” eine Pause machen. Dabei sollen sie ein besonderes Schokoladenprodukt zu sich nehmen. Ein anderer Schokoladen-Anbieter versprach in der Vergangenheit sogar “Spannung, Spiel und Schokolade”.

Werbung für Kinderlebensmittel steht seit einigen Jahren stark in der Kritik. Der Grund dafür ist die zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die am krankhaften Übergewicht (Adipositas) leiden. Daher haben 2007 auf Initiative der Europäischen Union (EU) zahlreiche Lebensmittelhersteller eine Selbstverpflichtung unterschrieben, bei der Lebensmittelwerbung für Kinder bestimmte Regeln zu achten.

90% der untersuchten Lebensmittel erfüllen nicht die Kriterien der Selbstverpflichtung

Die Hersteller sind gefordert, Werbung nur für ausgewogene Lebensmittel zu betreiben. Dafür wurde ein White Paper aufgelegt, in dem die Menge beispielsweise von Zucker, Salz und Fett bestimmt worden ist. Zu den Kriterien gehört auch die angemessene Darstellung der Kalorienangaben auf den Verpackungen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat gemeinsam mit der Deutschen Adipositas Gesellschaft, der Deutschen Diabetes Gesellschaft und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe in Berlin die Ergebnisse einer von ihr beauftragten Studie vorgestellt. Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass 90% der 281 untersuchten Lebensmittel nicht den Regeln der Selbstverpflichtung bei der Werbung für Kinder entsprechen (siehe Abbildung).

Tabelle Foodwatch
Quelle: Foodwatch-Studie – Kindermarketing für Lebensmittel, August 2015

 

 

Foodwatch betreibt eine unnötige Irreführung

Allerdings schafft die Studie eine nicht nachvollziehbare und irritierende Intransparenz: Es geht zwar um die Selbstverpflichtung im Rahmen der Initiative der Europäischen Union. Die Autoren der Studie haben aber die weitaus strengeren Normwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Grundlage ihrer Untersuchung gemacht. Erfüllen die angemahnten Lebensmittel nicht den Kriterien der EU-Initiative oder der WHO?

Foodwatch betreibt damit eine bedauerliche weil unnötige Irreführung der Konsumenten, die sie eigentlich den Lebensmittelherstellern vorwerfen. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich, dass den Autoren der Studie vordergründig darum geht, die Regeln und Normwerte für die Selbstverpflichtung im Rahmen der EU-Initiative an die der WHO anzupassen.

Klar, damit würde die Bekämpfung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen besser gelingen, was wünschenswert ist. Nur ist in der Foodwacht-Studie nicht das enthalten, was auf der “Verpackung” angekündigt wird.

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