ex machina – genau so habe ich mir meine Traumfrau gebaut!

Kinofilme zeigten in unzähligen Beispielen, was die nahe Zukunft an technischen und sozialen Innovationen uns Menschen bieten wird. Können das die aktuellen Filme wirklich auch? Gibt es irgendwann die künstlich erzeugte Traumfrau, die ihren Platz in unserem Alltag erobern kann, wie es die Smartphones bereits getan haben? (Facebook-Fanseite)

Ich frage mich, wann wir die „unkaputtbaren“ Nokia 3310 Mobiltelefone durch leicht zerstörbare Smartphones ersetzt haben? Die Etappen der sozialen und technologischen Innovationen rasen sehr schnell an uns Menschen dieser Informationsgesellschaft vorbei. Ein Smartphone ist heute durch weitere Gadgets im Markt sogar anziehbar. Der nächste Schritt wird uns vemutlich weiter verblüffen. Ich stelle mir die Frage, wann wir aufhören werden zu staunen.

Das Kino hat jahrelang technologische Mittel erfolgreich als Vorlaufwerbung in den Filmen platziert. Damit versteht man auch das kapitalistische System, in dem große Konzerne sich dazu bereit erklären viel Geld in Kino und Kunst zu investieren. Es ist eine Profitsituation mit Win-Win Effekt.

Tablets und Smartphones haben wir als erstes in den Science Fiction Serien gesehen

So sehen wir heute Tablets, die unsere Gesellschaft erobern. Wirklich raffinierte Smartphones, die einen auf Schritt und Tritt verfolgen und letztlich sogar soweit an uns haften, dass sie an mehr Orten unserer Subjektivität teilhaben, als unsere Ehepartner es tun. Denn jede Liebe hält an der Toilettentüre an und macht für wenige menschliche Minuten eine kurze Sendepause. Gut so.

So zeigen uns Filme also durchaus die Technik, die wir in den kommenden Jahren benutzen werden. Was die Grenze dessen ist und wie viel Prozent der Zukunftshinweise der Filmindustrie auch tatsächlich in die Realität umgesetzt werden, kann ich nicht empirisch darlegen. Aber Grenzen werden überschritten.

Alex Garland hat mit Ex Machine die Zukunftsmusik in die Spitze getrieben

Der Film „Ex Machina“ zeigt eine Technologie, die mit dem aktuellen Stand nicht vorstellbar ist. Aber hätten einige von uns an ein Tablet geglaubt, als Star Trek Voyager uns diese Geräte ungefähr demonstrierte?

In Alex Garlands Erotik-Thriller produziert die Firma Blue Book nach den Informationen des Alltags der Personen eine Traumfrau mit viel Weiblichkeit, Sexappeal und Charm. Blue Book ist dabei eine Suchmaschine, wie z.B. Google und generiert die Informationen über den Alltag der Personen durch das Nutzerverhalten im Internet. Der Erfinder Nathan baut in Alaska einen genialen Roboter Namens Ava. Ava ist unter den künstlichen Intelligenzen des Filmsektors bislang das Non Plus Ultra. Um schließlich einen Test, genau genommen den Turing-Test, zu machen, kommt Caleb zu Nathan und beginnt den Test mit Ava. (Wer war Alan Turing?)

Die Roboter-Traumfrau weißt zum Teil absolute Menschlichkeit, aber zum anderen auch die völlige Künstlichkeit auf. Der Bauch der Traumfrau ist gläsern. Somit sieht man das maschinelle Innere. Das Gesicht ist bildhübsch und genau den Wünschen des Kunden entsprechend. Der vielleicht besonderste Teil Ava´s ist ihr Gehirn, das auch einem strukturierten Gel besteht und nicht aus irgendwelchen Schaltkreisen. Nathan will bei seinem außergewöhnlichen Versuch erforschen, welche Kommunikationsebenen Menschen zu solchen Robotern aufbauen können, ob sie trotz des Hintergedanken an die Maschine dies ignorieren, eine emotionale und durchaus sexuelle Beziehung aufbauen können und ob dabei sogar Sehnsüchte entstehen.

Der Film dreht sich nach und nach in einem Teufelskreis und der Bann zwischen Maschine, Erfinder und Proband wird immer konfuser. Schließlich scheitert der Versuch daran, dass der Erfinder Nathan selbst so fasziniert ist von der genialen Ava, dass er sich von ihr blenden lässt und der Proband Caleb allmählich tatsächlich glaubt, in Ava die Frau seines Lebens gefunden zu haben.

Regisseur Alex Garland spielt mit einer transzendenten Welt, in der künstlich beinah vollkommen menschlich wird. Wenn wir uns auch an Filme mit ähnlicher Thematik naher Vergangenheit denken (z.B. Transzendenz), kommt die Frage auf, ob das mit den Superrobotern auch so kommen wird wie mit den Tablets aus dem Film Star Trek Enterprise.

Ich persönlich glaube in dieser Art des Science Fiction keine reale Zukunftsvision entdeckt zu haben.

Über Hüseyin Topel 12 Artikel
Hüseyin Topel, Jg. 1990, ist Journalist, Karikaturist und Regisseur. Auf Forgsight schreibt er in seiner eigenen Rubrik über Themen der Gesellschaft rund um sozialen Innovationen. Er hat an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Medien- und Kulturwissenschaften studiert.

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  1. forgsight.com – Wird es je eine künstliche Intelligenz geben?

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