Die Gewährleistung von Repräsentativität und die Meinung der Einwandererfamilien

Häufig repräsentieren Umfragen die Einstellung der Gesamtbevölkerung. Doch inwieweit fließen auch Meinungen der Deutschen mit Migrationshintergrund in diese Umfragen. Um es wirklich als repräsentative Umfrage zu betiteln, müssen in der Methodik alle Gruppen in der Gesellschaft ebenso vorkommen.

– von forgsight

In Deutschland gibt es vier große Meinungsforschungsinstitute, die Wahl- und Politikforschung betreiben. Umfragen besitzen eine wichtige Aussagekraft bei politischen Entscheidungen in demokratischen Ländern. In Deutschland werden an Wahlabenden Prognosen oder Hochrechnungen von Instituten wie Infratest dimap, die Forschungsgruppe und Alllensbach veröffentlicht. Beispielsweise beauftragt ARD Infratest dimap und ZDF bezieht sich auf Studien der Forschungsgruppe. Die repräsentativen Umfragen werden per Zufallsprinzip durchgeführt. Doch inwieweit fließen auch die Meinungen der Deutschen mit Migrationshintergrund in die Umfragen? Dafür muss man einen Blick auf die Methodik der Meinungsforschungsinstitute werfen.

In Deutschland leben 5,8 Millionen Wahlberechtigte mit Migrationshintergrund. Die Umfragen repräsentieren die Meinung der Gesamtbevölkerung, haben aber keine Aussagekraft über die Einstellung von Einwanderern. Die Teilnehmer einer Umfrage werden per Zufallsprinzip automatisch durch einen Computer generiert. Laut der Sprecherin von Infatest dimap, Irina Roth, hat „jede Person die Chance“ in die Befragung zu kommen. Bei Wahlumfragen werden grundsätzlich die Personen befragt, die einen deutschen Pass besitzen und die deutsche Sprache beherrschen. Fremdsprachliche Umfragen finden nicht statt. Somit wird die Gruppe ausgeschlossen. Doch dies stelle laut Forsa-Forscher Peter Matuschek kein Problem zur Repräsentativität der Gruppe dar, denn dies sei nur eine „kleine Gruppe“, um die es sich handelt.

Die Meinungen von Minderheiten werden wiederum in speziellen „Sonderstudien“ von bestimmten Meinungsforschungsinstituten erforscht. Per Zufall wird bei Personen angerufen und gefragt, ob diese einen Migrationshintergrund besitzen. Bei Umfragen braucht man 4000 versuche um die bestimmten Ergebnisse sichern zu können. Bei der Anzahl von fast zehn Prozent der Migranten mit deutschem Pass bräuchte man also 40 000 Versuche. Eine andere Möglichkeit bietet das „Onomastik-Verfahren“. Hierbei analysieren die Institute in Telefonbüchern ausländische Vor- und Nachnamen. Doch dabei ist die Gefahr groß, dass ausländische Namen, die nicht direkt als solche erkennbar sind, durchfallen.

Die Stichprobe bei Umfragen des Wahlverhaltens der Bevölkerung beträgt 1000. Um die ungefähr zehn Prozent der deutschen Migranten und Migrantinnen mit einzubeziehen, müsste man also 100 befragen. Dies ist wiederum eine zu niedrige Zahl, um sie repräsentativ als Meinung aller Migrantinnen zu deklarieren. Spezielle Umfragen gibt es bisher wenige, indem das Wahlverhalten der deutschen mit Migrationshintergrund untersucht wird. Eins ist zum Beispiel die Studie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), welches im Jahre 2012 veröffentlicht wurde.

Eine Lösung für dieses Problem hat das futureorg Institut im Jahr 2013 entwickelt. Mit „endaX – Ihre Stimme in Deutschland“ hat es in Zusammenarbeit mit Medienunternehmen ein Online-Access-Panel eingerichtet, in dem Menschen mit Migrationshintergrund sich registrieren und so an Online-Umfragen teilnehmen können. Große Aufmerksamkeit erlangte die Wahlstudie der Initiative „endaX“ zur Bundestagswahl. Durch sie wurde festgestellt, dass deutsche Staatsbürger türkischer Herkunft ihre Wahlpräferenzen von Rot-Grün zur CDU verändert haben.  (forgsight/endax.de/mediendienst-integration)

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