„Das Ausland ist für Lehrerinnen mit Kopftuch keine Lösung“

Viele muslimische Frauen sind aufgrund ihres Kopftuches innerhalb ihrer Studien- oder Berufslaufbahn oft Diskriminierungen ausgesetzt. NeLe möchte dies nun ändern. (Foto: umixx)

 -von DTJ-ONLINE

 

 Ein deutschlandweites Netzwerk für angehende muslimische Lehrerinnen und Lehrer zu gründen – dies ist das Ziel von Esma Başuslu, Lehrerin in den Fächern Mathematik, Deutsch und Islamische Religionspädagogik für die Primarstufe und Sekundarstufe I, und Vildan Aytekin, Studentin in den Fächern Anglistik, Geschichte und Islamische Religionspädagogik für die Sekundarstufe II und im Bereich InterAmerikanische Studien aus Bielefeld.

Başuslu und Aytekin engagieren sich für NeLe, dem für Netzwerk für muslimische Lehrerinnen und Lehrer. Im Rahmen von NeLe sollen in Zukunft Vorträge, Aufklärungsgespräche, Motivationsseminare und Kompetenztrainings seitens Fachdidaktiker/innen, Rechtswissenschaftler/innen, Islamwissenschaftler/innen, Psycholog/innen, Lehrer/innen u.a. angeboten werden, die (angehende) Lehrkräfte auf dem Weg in die Schule und im Schulalltag unterstützen. Außerdem soll mit NeLe Transparenz seitens Lehrerinnen mit Hijab (Kopftuch) geschaffen werden und somit ein Dialog stattfinden. Sie plädieren mit NeLe für Empowerment der Frauen und eine Form der Inklusion, die allumfassend ist.

Die Zielgruppe besteht primär aus Schüler/innen, die ein Lehramtsstudium in Erwägung ziehen, Referendar/innen, Lehrer/innen, Erziehungswissenschaftler/innen sowie Pädagog/innen. Des Weiteren soll NeLe zu einem konstruktiven Austausch mit SchülerInnen anregen.

Kompetente Frauen sollen ihrem Beruf nachgehen dürfen

Das Projekt befindet sich momentan in der Aufbauphase. Başuslu und Aytekin sind die Gründungsmitglieder. NeLe hat momentan eine inoffizielle Mitgliederzahl von über 100 Lehrer/innen und über 20 Dozent/innen, darunter auch Professor/innen.

Um von einem gelungenen Projekt zu sprechen, müsse es eine rege Teilnahme geben und ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung, insbesondere wichtige und einflussreiche Entscheidungsträger aus Politik und Gesellschaft, für die o.g. Thematiken sensibilisiert und für das Projekt gewonnen werden.

Der Grund für die Gründung diese Gruppe war, dass emanzipierte und kompetente muslimische Frauen mit sehr gutem Staatsexamensabschluss aufgrund der Kopftuchgesetze ihrem Beruf als Lehrerin nicht nachgehen können.

Studierende machen in Schulpraktika oft diskriminierende Erfahrungen, doch trauen sie sich aus Angst, ihre Praktikumsstelle zu verlieren, nicht, über diese zu sprechen. Ähnliche Erfahrungen haben auch Esma Başuslu und Vildan Aytekin gemacht. Aus Angst und Aussichtslosigkeit ziehen nicht selten Lehrer/innen in Erwägung, im Ausland „Fuß zu fassen“, doch dies ist laut Başuslu und Aytekin keine Lösung.

In einer pluralen Gesellschaft, die wie nie zuvor für eine inkludierende Pädagogik an Schulen plädiert, sollten auch Frauen mit Hijab (Kopftuch) selbstverständlich ein Teil dieser Vielfalt sein. Die Änderung der Gesetzeslage mag vielleicht heute noch wie eine Utopie klingen, doch zumindest wollen die Protagonisten von NeLe gemeinsam ihre Stimme erheben und in einen Dialog treten.

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